MAK

Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 1)

rothem Salzburger Marmor stammt aus Berchtesgaden; das Capitäl 
aus Pola, der Verdeantico-Schaft aus Neapel. Die zwei Wasserspeier 
am Wimberge darüber vom Dome zu Kaschau gehören dem Ende 
des XIV. Jahrhunderts an._ 
Der zierliche gothische Glockenthurm enthält drei alte italienische 
Glocken von Serravalle aus dem XIV. Jahrhundert; die Säule vor 
der Nische ist von Sienit aus Konopischt. Ein merkwürdiges Werk 
ist die den Thurm krönende Gestalt des Erzengels Michael. Die 
Statue selbst ist alt (XVI. Jahrhundert) und stammt aus Trier; Flügel, 
Nimbus, Schild und Schwert sind nach Zeichnungen von Graf I-Ians 
Wilczek in Bronzeguss ausgeführt von dem Bronzegiesser und 
Galvanoplastiker I-Iaas in Wien; als Auflager der Figur, die so 
wuchtig ist, dass zum Vergiessen ihrer I-Ielmstange und aller Ver- 
ankerungen über hundert Pfund Blei erforderlich waren, dient eine 
156 Kilo schwere kupferne Locomotivkesselplatte aus der Fabrik 
von Chaudoir und Zipper, deren Specialität solche Platten sind. Die 
ganze Figur ist also auch in technischer Beziehung eine Merk- 
würdigkeit. 
Einen wieder eigenartig von allem Übrigen sich abhebenden 
Schmuck erhielt der dreieckige, an den Ecken abgefaste Nordwest- 
thurm in einer stattlichen Reihe von Wappen der älteren Burgherren 
und Landesfürsten, so die Wappen der Fornbacher aus dem XI. Jahr- 
hundert, der Erbauer des Schlosses; der Waserburger aus dem 
XII. Jahrhundert, der Babenberger, als älteste Landesfürsten, ferner 
Ottokars von Böhmen und der Habsburger. Unter den Wappen 
befindet sich auch ein Türkenkopf, sogenannter Trutzkopf, weil die 
Burg 152g von den Türken nicht eingenommen werden konnte. Eine 
Fortsetzung findet die Wappenreihe im Oratorium. 
Der vierte und grösste Thurm, der Bergfried kommt noch besser 
zur Geltung in der Innenansicht des oberen Burghofes. Er lehnt 
sich an die Formen der Thürme von Perchtoldsdorf und Freistadt 
in Oberösterreich an. Das riesige Zifferblatt aus dem XV. Jahrhundert 
mit der Devise: „Wer rastet, roste " auf streng stilistisch durch- 
geführtem Spruchband stammt aus Überlingen amBodensee. Der 
im Zubau begriffene Tradt wird Bibliothek und Archiv umfassen. 
Das gothische Gitter an der zugehörigen Ecke ist eine alte Tiroler 
Arbeit, und der Eingang in die Halle links unterm Thurm hat ein 
gothisches Portal aus Wels. 
Unmittelbar davor, im Hofe unter dem Bretterdach befindet sich 
der 58 Meter tiefe Brunnen der ehemaligen Burg, bei dessen Aus- 
räumung zu unterst in Wasserhöhe ein jüdischer Grabstein aus dem
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.