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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 1)

XIII. Jahrhundert gefunden wurde. I-Iiezu wäre daran zu erinnern, dass 
damals in dem benachbarten Korneuburg sich eine starke Juden- 
gemeinde befand. Der Brunnenschacht hat zwei 
Meter Durchmesser. Neben demselben, gegen 
die Mitte des Hofes zu, steht ein von Graf 
Wilczek selbst hieher verpflanzter Lindenbaum. 
An der Mauer entlang lehnen eine Reihe noch 
unterzubringende Grabsteine, theilweise von be- 
deutendem künstlerischen Wert, deren Namens- 
träger den Geschlechtern von Kreuzenstein 
angehören oder zur Geschichte von Nieder- 
österreich in Beziehung stehen. Der an der Ecke 
des Kapellenschißes eingemauerte Marmorlöwe 
ist eine alte Venezianer Arbeit. 
Die Loggia im Hintergrunde des Hofes 
gegen Westen hat im Untergeschosse zwei 
mächtige Bogen auf mittlerer Crranitsäule, deren 
Capitäl aus der Basilika von Padua herrührt, 
während das Obergeschoss fünf Bogenöffnungen 
zählt über theilweise gleichfalls alten Säulen. Der 
ornamentirte Bogenfries darüber ist neu ausgeführt nach Zeichnungen 
von Graf I-I. Wilczek, von Bildhauer Spira aus Venedig. Die an der 
Wandfläche verwendeten Ziersteine undZierplatten sind alu-omanische 
italienische Arbeit. Das darüber befindliche Pultdach im Stile des 
XIV. Jahrhunderts wurde ausgeführt von Zimmermeister Öster- 
reicher und gedeckt mit alten Original-Hohlziegeln des XV. Jahr- 
hunderts aus der Gegend von Meran. 
Das Materiale zum Thurm-Mauerwerk ist Tuffstein von einem am 
Inn demolirten alten Thurrn und wurde dasselbe auf einer Plätte den 
Inn und die Donau heruntergebracht, und auch das Holz der Plätte 
zum Bauen verwendet. 
Von beiden Stockwerken dieser Loggia aus gelangt man in die 
Kapelle theils ebenerdig, theils auf den Musikchor und das Ora- 
torium. 
In der Kapelle befindet man sich in dem künstlerischen Centrum 
des Ganzen. Eine derartig weihevolle Stimmung, wie sie hier jeden 
Beschauer beherrscht, vermögen nur architektonische Kunstwerke 
ersten Ranges im Vereine mit Sculptur und Malerei hervorzurufen. 
Es ist schwer, den Anfang und Faden zu einer Beschreibung auf- 
zugreifen, die nothwendigerweise unverhältnismässig weit hinter 
dem Selbstgesehenen zurückbleiben muss. 

	        

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