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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 1)

voraussetzt, geradezu abstossend. Das nämliche wiederholt sich auch 
in anderen Fällen. Man möchte das Goethe'sche Wort: „Eines 
schickt sich nicht für Alle" hier beinahe umkehren und sagen: „Alles 
schickt sich nicht für Einen." Aber was fragt der Unternehmergeist 
nach solchen Dingen! „Vermagst Du Dich an den Autor und seine 
geistige Art anzuschliessen oder nicht, das bleibt sich gleich, wenn 
Deine Arbeit nur pikant (unter Umständen heisst es auch „züchtig", 
siehe deutsche Familien-Journale, oder„billig", siehe ebenda) ausfällt" 
- das ist leider, leider in den meisten Fällen die ausschlaggebende 
Anschauung der Verleger, die von ihrem Publicum das Gleiche 
halten, was der Theater-Direötor im Vorspiele zum Faust vom 
seinigen sagt. Man muthet dem illustrirenden Künstler in einem 
Athemzuge zu, sich dem Lyriker ebenso anzuschliessen als dem 
Dramatiker, die Figuren des Romanciers, der bestimmte Gesell- 
schaftskreise schildert, ebenso präcis in den eigenen Beobachtungskreis 
zu ziehen, wie jene des Schilderers militärischer Vorgänge. Und zu dem 
allem muss er Landschafter sein, muss die architektonischen Formen 
aller Stile an den Fingern herzählen können, und muss obendrein 
schnell arbeiten! Wie viele Glückliche gibt es, die all diesen Dingen 
zu entsprechen vermögen? 
FELICIAN VON MYRBACI-I ist einer der Wenigen. Die Zahl 
der von ihm gelieferten Arbeiten auf allen möglichen Gebieten ist eine 
unglaubliche, der Reichthum des dabei geoffenbarten Könnens steht 
damit auf gleicher Höhe. Den Schlüssel hierzu bietet vielleicht die 
Entwicklung des Künstlers, der eigentlich einem der Kunst weit abge- 
wandten Stande angehörig, den nächstliegendsten, den strengsten 
Pflichterfordernissen ebenso nachzukommen wusste, als er dabei sein 
ideales Ziel im Auge behielt. Myrbach war Linien-Oßicier von Beruf, 
Künstler von Geburt. Der letztere behielt die Oberhand, ohne dass 
der erstere einfach ohneweiters hatte fallen gelassen werden können. 
Aus solch widerstreitenden Lebensumständen pflegen gewöhnlich 
andere Resultate hervorzugehen als da, wo das vorgesteckte Ziel die 
einzige Richtschnur abgibt, zumal wenn obendrein die materielle Frage 
des Lebens keine Schwierigkeiten beut. 
Es ist eine nicht zu leugnende Thatsache, dass der weitaus 
grössere Zugang zu jenen Berufskreisen, die man später mit mehr 
oder weniger Recht „Künstler" nennt, sich nicht aus Elementen 
zusammensetzt, an denen eine gute Vorbildung starke Spuren hinter- - 
lassen hat. Das sind Umstände, die selbst dem I-Iöchstbeanlagten 
zeitlebens anhaften bleiben und seinen Arbeiten, ohne dass er es selbst 
merkt, ein gewisses unverwischbares Timbre geben. Freilich liegt die
	        

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