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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 3)

schon in der Maltechnik, sehr dick gemalt, fast modellirt, daher die 
prächtige Formenwirkung der aus dem Dunkel der Bäume heraus- 
leuchtenden Pferde. Es ist eine deutsche Landschaft, vielleicht 
irgendwo in der niederrheinischen Heimat oder in Holland geschaut, 
aber die ganze zwingende Eigenart des Künstlers leuchtet schon 
hervor. Die weitere Entwicklung idealisirt dann die Grundmotive, sie 
entkleidet von Zufälligkeiten, sie stimmt die Noten höher und voller 
und zieht sich in die „Gefilde der Seligen" zurück, aber man erkennt 
klar in dem Münchner Bilde den künstlerischen Archetypus der 
späteren Ephebenbilder. 
Thoma's Kunst zweigt bei dem Münchener Bilde ab und ent- 
wickelt sich innerlich gleich geartet, aber auf deutschem Boden. Wohl 
zog auch er über die Alpen gleich Dürer und Richter, aber so wenig 
wie diese Beiden hat ihn die Kunst des Südens „erdrückt". Auf der 
Münchener Ausstellung waren drei Blätter aus dem Jahre 1880, also 
von der zweiten Reise, ausgestellt und mit derselben naiven 
deutschen Naturfreude sind diese fremden Schönheiten erschaut und 
festgehalten wie es Dürer gethan hat. 
Einige Bilder von Thoma seien hier geschildert. Ein deutscher 
blühender Frühlingstag voll Duft und Sonne gibt den Grundton. Ein 
junges Weib sitzt am Bache, neben sich ein nacktes Kind. In der 
kühlenden Flut kniet ein anderes Weib, die Hände in das Nass 
getaucht und auf der Wiese unter dem schattenreichenden Baume 
sitzt ein Jünglingmann, die Weidenflöte blasend, deren Tönen ein 
zweiter Mann und ein Knabe lauschen. Ruhe, selige Ruhe herrscht. 
Oder ein anderes Mal: Am geheimnissvollen Waldsee, dessen Flut 
zwei Schwäne still durchziehen, sitzt wieder der Flötenbläser, neben 
sich den Fischer, auf einen glücklichen Zug wartend, den ihm die von 
der Melodie bethörten Fischlein gewähren sollen (ein echt deutsches 
Motivl). Im Hintergründe stehen in feierlicher statuarischer Ruhe ein 
Jüngling und ein Mädchen. Schwebend tanzen drei nackte Huldinnen 
den Reigen. Ruhig wiederum lagern am Ufer zwei Knaben. Ein un- 
nennbarer Zauber liegt über dem „Märchen". Die Fee des Märchens, 
irgend eine Fee, bindet, links im Vordergrunde sitzend, eine Blumen- 
winde. Reizende geflügelte Engel schleppen die Blumen herbei. Einer 
aber von ihnen zieht schwer nach sich an einer langen schweren 
Streitlanze, die ein gewappneter Ritter trägt, das Visier in die Höhe 
geschlagen, zögernd stehend vor dem holden Wunder wie Parsifal. 
Ruhig grast sein Hengst unter den Bäumen am murmelnden Bache. 
Nach hintenzu steigt der Wald an, den Sommerhimmel an einigen 
Stellen durchlassend. - Im Vordergrunde einer blühenden fernhin
	        

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