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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 3)

so vor allen Dingen sein Selbstporträt, das treue deutsche gesunde 
Gesicht mit den stolzen ernsten Augen unter einem Baum mit schwer 
herabhängenden reifen Früchten, ein Buch in der Hand, den Aus- 
druck des Gelesenen in den klugen Zügen. Denn Thema gehört zu 
den Höchstgebildeten unseres Volkes, und unter der schlichten 
Naivetät seiner einfachen Worte ruht ein umfassendes Wissen, eine 
nie fehlende Urtheilskraft und Schärfe der Charakterisirung. Ein 
anderes Mal hat er sich gemalt wie einer der Alten, draussen in der 
geliebten blühenden Natur, mit der Palette in der Linken. 
Und zu einem vollendeten harmonischen Bilde wird das Porträt 
seiner Frau mit dem Kinde an der Seite, in der stillen beseeligten 
Ruhe des Mutterglücks an Raffaels Florentiner Madonnen gemahnend. 
Schlichtes deutsches Familienglück liegt in den gesunden treuen 
Gesichtern mit den ernsten tiefen Augen der Mutter, ein glückliches 
sinnendes I-Iingeben in denen des Mädchens. Sie sitzen im Obstgarten 
auf dem Lande; jenseits des Gitters unter Bäumen friedliche Gehöfte 
und weidendes Vieh. 
In der nationalen Kraft, in der wunderbaren Schilderung des 
unlösbaren Zusammenhanges zwischen dem Landmann und der 
Scholle steht Thema ebenbürtig neben dem stammverwandten 
Normannen Millet da. Ob er nun ein deutsches Volkslied mit der 
schlichten gleichwertigen rührenden Schönheit illustrirt oder ob er 
den Pflüger, den Sämann, ob er die Ruhe, das Liebes- und Seelenleben 
des Volkes schildert, "stets findet er gleicherweise den einfachsten 
und packendsten Ausdruck, in seinen Bildern sowohl wie vor allen 
Dingen in seinen grosszügigen Lithographien, die er in der Weise 
des alten deutschen Holzschnittes, oft in kunstvollem Clairobscur 
behandelt. Der Geigenspieler mit dem geliebten Instrument an der 
Wange, im Garten stehend und all sein Lieben, Sehnen und Trauern 
in Tönen auflösend, während im Hintergrund kraftvoll ein Bauer 
mit der Sense schreitet: es ist geradezu ein ergreifendes und viel- 
sagendes Symbol. Der Gewappnete, der durch die Landschaft reitet, 
der auf des Berges Gipfel des im Thale ruhenden Dorfes Frieden 
bewacht, verkörpert die Legenden vom guten St. Georg und Martin, 
den guten Rittern und Schutzheiligen. 
Gross ist Thoma als Schilderer des Evangeliums, deutsch wie 
Uhde, einfach und schlicht, aber voll tragischer Grösse gleich Dürer, 
wie der Versucher in römischer Cäsarentracht den Erlöser auf des 
Berges Zinne geführt, wie die heilige Familie nach Ägypten flüchtet 
und unterwegs ruht. Das ganze All, als Sternenhimmel, bildet den 
Hintergrund des in kühner Verkürzung gezeichneten todten Christus.
	        

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