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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 3)

Wolkengebilde. Als er über Ersuchen seiner Freunde darüber nach- 
dachte, in einer Glastafel eine Gruppe Pfauen mit ihrem herrlichen 
Prachtgefieder darzustellen, erblickte er in diesem Vorwurf ein seinen 
Untersuchungen ausserordentlich günstiges Thema: die Pfauenfeder! 
Ein volles jahr widmete Tiffany seinem Studium. Und welch' ein 
Anblick, als endlich eine stattliche Reihe von Vasen - keine der 
anderen gleich - mit diesem idealen Decor versehen, zur Vollendung 
kamen! 
Wer könnte sagen, welche Überraschungen Tiffany bei der 
weiteren Entfaltung seines Talentes noch vorbehalten sind. Jeder Tag 
bringt neue Versuche, neue Erfolge. Was aber vollends jeder einzelnen 
der früheren oder gegenwärtigen Arbeiten Tiffanys einen ganz 
besonders hohen Wert verleiht, ist der Umstand, dass der Künstler 
sein Streben nach vorwärts niemals unterbricht, dass er nicht umkehrt 
und niemals um des Geldinteresses willen frühere Erzeugnisse wieder- 
holt, mögen diese auch zu den schönsten und gelungensten zählen. 
Wenn wir am Schlusse unserer Darlegungen den grossen, eine 
völlige Umwälzung auf dem Gebiete der Kunstglaserzeugung 
charakterisirenden Zug der Schöpfungen Tiffanys hervorheben sollen, 
so müssen wir sagen, er besteht darin, dass der völlig neue Decor, 
wie immens reich und complicirt er auch sein mag, dem Glase selber 
entnommen ist und dieses nicht vom Pinsel, noch von dem Schleif- 
rade, noch von einer ätzenden Säure berührt wurde. Ist das Object 
erkaltet, so zeigt es sich auch in seiner völligen Vollendung. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN S9 
VON LUDWIG HEVESI-WIENSIP 
DAS WIENER GÜTENBERG-DENKMAL. Ende Januar waren im 
Österreichischen Museum die Entwürfe für das Gutenberg-Denkmal zu sehen. 
Als Standort war das neugewonnene hübsche Plätzchen vor dem neuen Regens- 
burgerhof auserlesen, der Kostenbetrag mit 34.000 Gulden begrenzt. Leider ver- 
zichtete man nachträglich aus localen Gründen auf den Platz, wodurch einige 
Werke unbrauchbar wurden. Der plastische Nachwuchs Wiens lieferte eine 
Anzahl guter Sitz- und Standiiguren; im architektonischen Theile sah es krauser 
aus. Statt eines ersten und zweiten Preises wurden zwei erste Preise vertheilt. Zur 
Ausführung wurde Hans Bitterlichs Entwurf gewählt. Er klingt ein wenig an das 
Mozart-Denkmal an, namentlich in der Behandlung des viereckigen Sockels, dessen 
rahmen- und gebälklose Flächen mit Reliefs belebt sind. Vorne bescheint ein 
Sonnenaufgang einen müden Wanderer, wie in John Day's altem Druckerzeichen. 
Gutenberg ist nach dem bärtigen Typus gebildet, wie der Thorwaldsensche zu 
Mainz; es gibt Medaillen, die ihn bartlos zeigen. Er steht im langen Arbeitskittel,
	        

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