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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 3)

auf seine Druckerpresse gestützt, in nachdenklicher Arbeitspause. Ohne jeden 
gesuchten Effect baut sich das Werk gefällig auf; nur einiges von den etwas 
gehäuften Verbindungsgliedem des Sockels wäre wegzulassen. Der zweite erste 
Preis fiel dem jungen Othmar Schimkowitz zu, der damit in das Licht der 
Bekanntheit tritt. Sein Entwurf ist voll jugendlicher Frische und Ursprünglichkeit; 
den gegebenen Platz würde er allerdings zu sehr vollgeräumt haben. Schimkowitz 
stellt einen mächtigen Erdglobus hin, an dem er in üachem Relief etwas Welt- 
geschichte sich abrollen lässt. Eine junge Eiche umarmt den Ball mit ihren Zweigen. 
Auf dem bankartigen Horizont, oder der horizontartigen Bank, die den Globus in 
halber Höhe umkreist, sind vier Figuren vertheilt. Vorne sitzt zurückgelehnt die 
lange Talarflgur Gutenbergs; hinten stemmt sich ein nackter Jüngling mit aus- 
gebreiteten Armen gegen den Globus, um ihn in Schwung zu bringen; seitwärts 
sitzt eine Muse und lehrt einen Knaben. Die Figuren haben einen intimen Zug 
moderner Empfindung und sind auch mit bestechender Geschicklichkeit skizziert. 
Als Material dachte sich der Künstler Untersberger Marmor und Mauerwerk für 
das Gebaute, Carraraxnarmor für den Gutenberg, für den Globus aber und die 
allegorischen Figuren Blei. Aus letzterem wäre in der Ausführung wohl Bronze 
geworden. Der dritte Preis wurde Franz Seiffert zuerkannt. Wir hätten ihn lieber 
Edmund von I-Iofmann zugebilligt, der eine ehrenvolle Erwähnung erhielt. Er stellt 
eine kraftvolle, aber ruhige Figur, im halboffenen Pelz, auf einen Sockel, der etwas 
zu rnotivenreich ist, aber leicht zu vereinfachen war. Vor zwei Seitennischen 
sitzen zwei lebensvolle Gewandfiguren: rechts ein Schreibmönch, der soeben die 
Kielfeder weglegt, links ein Mädchen, das soeben Winkelhaken und Setzschiff er- 
griffen hat. Diese Figuren wenigstens sollten für die Kleinplastik gerettet werden. 
EINE PORTRÄTPLAQUE VON PROF. STEFAN SCHWARTZ. 
Auf der vorjährigen Brüsseler Ausstellung erregte Prof. Stefan Schwartz 
mit seiner Porträtplaque der Frau Lili Michalek so grosses Aufsehen, dass ihr 
Ankauf für die königl. belgische Medaillensarnmlung angeregt wurde. Se. Excellenz 
der Herr Oberstkämmerer Graf Hugo von Abensperg und Traun hat nun, dem 
Vorschlage des Directors Dr. Kenner gemäss, angeordnet, dass das reizende 
Kunstwerk für die kaiserliche Medaillensammlung erworben werde. Die Plaque 
(x53 mm hoch, nomm breit) ist in Silber getrieben, und zwar unmittelbar nach 
der Natur. Dieses Verfahren ist ganz neu und der Künstler hat das Verdienst, für 
die Treibkunst denselben Weg eröHnet zu haben, auf dem die Porträtplastik in 
Holz und Stein bereits so schöne Erfolge erzielt. Der jugendliche Frauenkopf von 
echt wienerischem Linienzug ist im Profil gegeben, während die decolletirte 
Büste etwas stärker gewendet erscheint, so dass ihre schöne Modellirung auch in 
der Rückenansicht zur Geltung gelangt. Durch das rückwärts aufgewundene Haar 
zieht sich ein doppeltes Band. Aller Schmuck ist vermieden, dafür aber das trieb- 
kräftige, elastische Relief der Form mit einer Wohligkeit durchdetaillirt, die dem 
Künstler noch nicht lange zur Verfügung steht. Das Nämliche gilt vom Haar, 
dessen Pikanterie nichts Strohiges, wie man es in Metall oft genug sieht, sondern 
etwas speciiisch Seidiges hat. Man wird an die besten Sachen Roty's erinnert 
und möchte sich doch getrauen, sofort auf eine Wiener Arbeit zu rathen. 
In dem Schriftfelde längs des unteren Randes, über den das lose Gewand leicht 
herüberspielt, liest man den Namen LILI MICHALEK, senkrecht die Zeile: 
N. d. N. getrieben ST. SCHWARTZ.
	        

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