MAK

Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 3)

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der Hauptwerke, „Die römischen Winzer", hat der Kaiser für die kaiserliche 
Galerie erwerben lassen. Die Durchmusterung des Nachlasses erweckt das Bild 
eines rastlosen und nachdrücklichen, obgleich gewissermassen behäbigenKünstler- 
thums, innerhalb dessen das technische Können wohl wuchs, besondere Schwan- 
kungen aber nicht vorkommen. Alois Schönn (geb. zu Wien 1826, gest. zu 
Krumpendorf am Wörthersee 1897] ist eine jener unermüdlichen Schaifenskräfte, 
welche die neuere Wiener Malerei, die coloristische, gemacht haben. Pettenkofen 
zeigt diesen Typus in seiner Vollendung. Auch die Laufbahnen dieser Künstler 
sind ziemlich gleich; sie führen nach Südosten, wo Farbe zu holen ist, und ins 
Volk, wo es von Motiven wimmelt. Wie Pettenkofen, geht auch Schönn zuerst 
nach Ungarn, wo er den Krieg und den Frieden malt, nicht ohne gelegentlich als 
Spion gefangen zu werden. Aber er geht bald weiter, nach dem Orient, wie 
Leopold Müller, der auch über Ungarn nach Ägypten kam. Ein Aufenthalt in 
Paris (1850 bis 1851) bringt ihn den gleichstehenden Franzosen nahe, er bekennt 
sich zu Horace Vernet. Die Wiener Makartzeit machte ihn ganz flügge. Die grossen 
Bilder jener 70er Jahre, zum Beispiel der erwähnte „Fischmarkt" oder das „Volks- 
theater in Chioggia" triefen von Sonne, die reflexweise sogar die tiefen Schatten- 
massen unter den Arkaden illuminirt. Eine gewisse Schwerüüssigkeit ist übrigens 
seine Farbe und Handschrift selten losgeworden. In den letzten Jahren überraschte 
er durch ein Hellerwerden seiner Bilder. Man sieht dies auch an seiner letzten 
Arbeit: „Kirchweihfest zu Lucia in Kärnten", das auffallend an ein nach Stoff, 
Schauplatz und Farbengebung ähnliches Bild Pradillas erinnert. 
KLEINE NACHRICHTEN S0 
TAATLICPIE BEITRÄGE ZUR RESTAÜRIRÜNG VON BAU- 
ÜND KÜNSTDENKMALEN. Wie in den Vorjahren, so hat das 
Ministerium für Cultus und Unterricht auch im Jahre 1897 durch Subventionen 
auf Rechnung des Pauschales für „Restaurirung alter Bau- und Kunstdenkmale" 
die Instandsetzung einer Reihe interessanter Bau- und Kunstwerke gefördert. 
Von den Bewilligungen des Ministeriums in dieser Beziehung wäre aus letzter 
Zeit vor Allem die Restaurirung oder bauliche Sicherung verschiedener kleiner 
Kirchen in Tirol hervorzuheben. So wurde der mangelhaft construirte Glockenstuhl 
der in ihrer ursprünglichen Anlage romanischen Kirche zu Gaiss derart erneuert, 
dass nunmehr eine weitere Schädigung des Thurmes durch das Geläute aus- 
geschlossen sein dürfte. Auch die baufällige gothische St. Leonhards-Kirche zu 
Laatsch wurde entsprechend gesichert. Zu erwähnen ist ferner, dass der theils 
arg beschädigte, theils mit Tünche bedeckte Farbenschmuck der Kirchen zu 
Pellizano und zu Taufers wieder in Stand gesetzt wurde. Die Fresken zu Pellizano 
sind im Jahre 1533 von Simon Bascheni aus Bergamo gemalt, die von Taufers 
stammen aus dem XVII. Jahrhundert H- der Meister ist unbekannt. Einen besonders 
bemerkenswerten Schmuck birgt das St. Nikolaus-Kirchlein in Burgeis: eine 
Bache Holzdecke, deren quadratische Cassetten, durch schön profilirte und reich 
ornamenürte Leisten getrennt, in buntem Wechsel mit allerlei eingelegten Rosetten- 
bildungen, Sternen, Blumenkörben in rother, blauer und weisser Bemalung belebt 
sind. Das Kirchlein selbst ist in den einfachsten romanischen Formen gehalten
	        

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