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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 3)

mit Augen, tief und leuchtend gleich einem Schwarzwaldsee und den 
singenden Lauten seiner oberrheinischen Muttersprache, ein rüstiger 
Alemanne mit wunderbar feinen vornehmen Händen, deren Weiss die 
Heiligkeit der ihm verliehenen Kunst symbolisirt. 
Die Münchener Ausstellung von 1890 brachte zum ersten Male 
eine Collection seiner Werke, die Aufsehen erregten, aber wenig 
Liebe und Gefühl. Und so waren auf jeder der folgenden Ausstellun- 
gen stets ein Paar Bilder zu sehen, ein Entzücken, ein Ereigniss für 
seine kleine Gemeinde, die dann auf der Ausstellung I896 im Münchener 
Glaspalast eine doppelte Freude erfuhr mit einer Reihe von Hand- 
zeichnungen, Aquarellen und Tafelbildern: mit „dieser Collection hat 
der Künstler beabsichtigt, ein Bild seines Entwicklungsganges zu 
geben". 
Damals schrieb ich: „In der That, ein herrliches Bild gaben 
diese schlichten Studien und Bilder von dem Werdegange eines der 
Grössten in der Kunstgeschichte, eines der Seltenen, die eminent per- 
sönlich, national und in kraftvoller Zielbewusstheit bereits in den 
ersten Versuchen der Kinderhand die gewaltige Schrift eines indivi- 
duellen Meisters ahnen lassen. 
Die das halten, was sie im blühenden Frühlingstasten ahnend 
versprechen, die unbeirrt von allen Einflüssen ihren eigenen Weg zu 
gehen wissen, das sind ja stets die Grossen in der Kunst gewesen". 
Hans Thoma ist ein Alemanne, aus Bernau im badischen Schwarz- 
walde, wo er am 2. October 1839 geboren ward. Äusserlich hart 
war das Leben des jungen Uhrmacherlehrlings, aber mit Entzücken 
drang in seine Künstleraugen, in sein warmes fühlendes Herz die 
ernste Schönheit seiner Heimat. Als Knabe schon zeichnete er 
leidenschaftlich und mit rührender packender Ehrlichkeit nach der 
Natur. Seine Begabung erregte Aufsehen und er kam 185g zu 
Schirrner, der auch Böcklins Lehrer gewesen, auf die Karlsruher 
Akademie. Persönlich hat ihm Thoma wohl viel zu danken, aber 
wenig blieb von Schirmers classisch-romantischem Landschaftsstil bei 
ihm haften. 
„Immer im Sommer malte er im Schwarzwalde Studien und 
Bilder, mit wahrer Leidenschaftlichkeit und inniger Sorgfalt bemüht, 
die Natur auf das Getreueste wiederzugeben." 
1868 zog Thoma nach Düsseldorf und im folgenden Jahre nach 
Paris, wo er von Courbet, sowie von den Fontainebleauern starke 
Eindrücke empfing. Nach der Heimat zurückgekehrt, stellte er in 
Karlsruhe aus, aber Hohn und Unverstand wurden sein Lohn. Er 
zog nun nach München, wo er zurückgezogen, mit Böcklin verkehrend,
	        

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