MAK

Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 4 und 5)

malereien die Gläser, um sie 
fleckenweise zu einem Gesammt- 
Farbenbilde zusammenzuziehen. 
Je sicherer das handwerk- 
liche Können bei all solchen 
Fragen auftritt, desto überzeu- 
gender, autoritativer wirkt der 
Gedanke, der dem Kunstwerk zu- 
grunde liegt. Dabei weiss er in 
der Verausgabung der Mittel 
Mass zu halten; ist doch immer 
und überall klare, einfache Ge- 
staltungsweise die erste Grund- 
bedingung harmonischer Ge- 
sammtwirkung. 
Zuvor schon ist gesagt 
worden, Grasset erstrebe die Neu- 
belebung der decorativen Kunst 
durch Anlehnung an die Natur H 
freilich bedingter Weise. Ein- 
seitigkeit liegt ihm hiebei ferne. 
Dabei weiss er genau, worin die Wirkung, worin die Charakteristik 
dessen beruht, was andere, frühere Zeiten geschaffen haben. Aber 
nie verführt ihn dies dazu, Anleihen zu machen, die Selbständigkeit 
seiner Gestaltungskraft auch nur im geringsten preiszugeben und 
dafür „nach berühmten Mustern" zu empfinden. Hat er sich auch 
vielfach mit Stoffgebieten der Vergangenheit - es seien nur die 
„HaymonskindeW angeführt - beschäftigt, so lag es ihm doch 
ferne, ins Alterthümlerische zu verfallen. Was er macht, trägt den 
Stempel seiner Individualität. Ausser Viollet-le-Duc (der freilich schon 
todt ist) giebt es vielleicht keinen Künstler, der so tief in das Wesen 
und in die Formenkenntnis der Architektur und alles dessen, was 
damit in Verbindung steht (z. B. Belagerungswesen) eingedrungen 
ist. Grasset cornponirt mit der grössten Leichtigkeit für seine Figuren- 
bilder umfangreiche Architekturen, Städte mit Wällen und Thoren, 
Schlösser und Burgen, aber er componirt sie als Architekt, nicht als 
malerischer Luftschlossbaumeister. Sie sind wahrscheinlich, denn 
sie vereinigen alles, was die Wirklichkeit der Ausführung erfordern 
würde. Nicht anders ist es, wenn er Interieurs darstellt. Man sehe nur 
z. B. die frühromanischen Gemächer in seinen Illustrationen zu „Le 
Saint Pleur", oder zu „Le comte de Maugrignon". Nicht die räumliche 
 
Skizze
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.