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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 4 und 5)

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zu geben imstande ist, ihn auf eigene Weise gewonnen hat und 
deshalb auch vermag, alles Aufgenommene und von den geistigen 
Kräften Verarbeitete neu zu gestalten und ihm ein persönliches 
Cachet zu geben. Dass ein 
 Künstler, der ebensoviel über 
das Wesen seiner Thätigkeit 
 nachgedacht hat, als er gleich- 
- zeitig schöpferisch wirkte, das 
  Heil der Kunst nicht in einer 
Qjüg" gewissen Schubladenwirtschaft, 
sondern im Zusammenfassen 
aller Ausdrucksmöglichkeiten 
sucht, ist klar. Für solche 
Geister gibt es nicht „Künste", 
nur „Kunst". Kunst und Leben 
aber sind ihnen ebenso untrenn- 
bare Begriffe, als Natur und 
stete Fortpflanzung, stete Neu- 
bildung. 
Eugene Grasset ist im 
Jahre 1850 zu Lausanne am 
Genfer See geboren. Wer diese 
Landschaft, wer den herrlichen 
Blick auf die jenseits der 
Anzeige für das Lexicon Larousse (Larousse blauen WaSSernä-che sich erbe" 
ädiß- Paris) benden savoyischen Hochalpen 
kennt, wird es begreiflich finden, 
dass diese Eindrücke in der Erinnerung unseres Künstlers eine 
bedeutsame Rolle spielen und er bei Gestaltung seiner landschaftlichen 
Hintergründe oft in Reminiscenzen sich ergeht. Natürlich zeichnete er 
als Kind alle weissen Papierfetzen, die ihm unter die Finger kamen, 
voll. Dass die bestechenden Illustrationen Dore's grossen Eindruck 
machten, ist kein Wunder. Wer hätte in den Tagen, da dieser beispiel- 
los arbeitende künstlerische Prestidigitateur die Welt mit den Resultaten 
seiner Schaffenskraft überschwernmte, sich dem Eindrücke dieser 
Dinge zu entziehen vermacht! 
Die Eltern widersetzten sich dem Projecte nicht, dass ihr Sohn 
Künstler werde, nur wollten sie ihm mit dem Studium der Architektur 
festen Boden unter den Füssen schaffen. 
Dazu sollte in Zürich am Polytechnicum das Fundament gelegt 
werden. Vor Ablauf des ersten Jahres indes wurde er mit vielen 

	        

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