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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 4 und 5)

weil es fesselnd ist, so milde geführt und belehrt, so freundlich belobt 
zu werden, so angenehm untergebracht zu sein. Dieser Umstand 
verdient und fordert eingehende Besprechung, weil er wesentlich zum 
Gelingen des Werkes beiträgt, und auch weil diese Verhältnisse im 
Gegensatze zur modernen socialen Zerfahrenheit deutlich zeigen, dass 
auch heute noch echtes, frohes, künstlerisches Schaffen möglich ist, 
wenn die Sache nur richtig angefasst wird. ' 
Ein lebendiges Beispiel hiezu ist in erster Linie der schon 
erwähnte Venezianer Bildhauer Spira. Seine Vorfahren sind bis zum 
Grossvater als Bildhauer bekannt und haben nach alter Familien- 
tradition im XV. Jahrhundert am Kölnerdome gearbeitet; sein Bruder 
ist Professor der Plastik an der Akademie in Venedig; er selbst 
arbeitete früher fast nur in italienischer Renaissance, aber kurze Zeit 
auch am Kölner Dombau und bei den Restaurirungen am Dogen- 
palaste; in den romanischen Stil und in deutsche Gothik hat er 
sich erst zu Kreuzenstein unter Führung des Grafen Wilczek so 
eingearbeitet, dass er Figurales und Decoratives gleichmässig 
beherrscht, Modelle und Ausführung gleichmässig besorgt, wobei 
vieles alla prima in Stein gehauen wird. Diese Art der Thätigkeit regt 
ihn auch so sehr an, dass er einige besonders verlockende Angebote 
zwar ab und zu schon angenommen hatte, aber stets wieder aufgab 
und zu seiner rihm bereits ans Herz gewachsenen Kreuzensteiner 
Arbeit zurückkehrte. Dabei arbeitet er wie ein Steinmetz von 6 Uhr 
früh bis 6 Uhr abends und hält gemeinsamen Mittagtisch mit den 
Steinmetzen und anderen Werkleuten. 
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Bildhauer Milani aus 
Padua, der vor neun jahren durch Spira als dessen Gehülfe an den 
Bau gebracht wurde und sich bereits ebenso eingearbeitet hat. 
Der jetzige Verfertiger der Tischlerarbeiten, der Täfelungen, 
Ergänzungen etc., Angelo Furlani, war Matrose und trat nach 
vollendeter Dienstzeit bei der österreichisch-ungarischen Kriegsflotte 
in die Dienste des Grafen Wilczek; er hat als jüngster die zweite 
Wilczek'sche Polarexpedition von 1881-1883 mitgemacht. Da er 
grosses Talent für Tischlerarbeiten zeigte, wurde er dazu verwendet 
und ist heute hierin ein Meister, besonders im Ergänzen und Copiren 
alter Stücke. 
Der schon genannte Burgschmied Reginato von Fansollo wurde 
zunächst nur als Werkzeugschmied aufgenommen, infolge seiner 
grossen Begabung für stilgerechte Ergänzungen jedoch wurde er bei 
diesen Arbeiten belassen und ist heute im Stande Leistungen hinzu- 
stellen, wie das Gerüste der Sakristeiglocke. Als Baumeister steht den
	        

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