MAK

Full text: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 4 und 5)

 
Selbstporträt-Skizze 
Von dem Künstler für "Kunst und Kunsthandwerk" gezeichnet 
öffentlicher und privater Gebäude Malereien anzubringen, welche die 
Natur, wie sie ist, wiedergeben sollen; statt farbiger, wohlthuender 
Decoration huldigt man an solcher Stelle dem Plein-air! Und umgekehrt 
ahmt man in Stein, in Marmor die Erscheinung seidener Stoffe, die 
natürlichen Haare nach, von jenen Geschmacklosigkeiten ganz zu 
schweigen, wo man sich soweit verstieg, sogar die Structur der Haut 
wiedergeben zu wollen, statt, wie es dem Charakter des Materials 
zukommt, dem breiten Meisselhieb die Vorhand zu lassen. Und was 
wird nicht in Holz gesündigt, was ist aus den Stoffen geworden, welche 
die Natur des Gusses zeigen müssten! In welche ganz widersinnige 
Formen zwängt man das Eisen! Auf allen Gebieten scheinen zwei 
Forderungen gebieterischer Art vergessen worden zu sein: 
Erstens, dass jedes Ding zunächst seinem Zwecke gerecht werden 
müsse und dieser in keiner Weise durch irgend welche ornamen- 
tale Übel-Wucherung beeinträchtigt werden dürfe, zweitens aber, 
dass jedes Material der Nachahmung der Natur seinen Charakter 
entgegensetze und ganz bestimmte Grenzen der Bearbeitung in 
sich schliesse. 
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