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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 6)

Und kann man dabei künst- 
lerisch einfacher und schlich- 
ter vorgehen? Der Hermes 
des Praxiteles ist nicht mo- 
numentaler aufgefasst, als 
dieser Schmied. Da ist keine 
Spur von Pose, keine Spur 
von Virtuosenthum. Wahr- 
lich aber ist hier die stille 
Grösse, die Winckelmann 
an der Antike rühmte. 
Und dieselben Eigen- 
schaften finden sich an allen 
Bildwerken Meuniers: man 
sehe den Bergmann oder 
den Lastträger, den Fischer, 
den Pflüger, den Puddler 
oder die Bergarbeiterin: 
immer der gleiche Ernst, 
die harmonische Ruhe, die 
Wucht der Charakteristik, 
gleichgiltig ob er seine Hel- 
den in der Bethäügung ihrer 
Kraft oder matt mit er- 
schlafften Gliedern vor uns 
hinstellt. Die einfachsten 
Motive genügen ihm, und 
mit unfehlbarer Sicherheit 
sind Stellung und Bewegung 
so gewählt, dass sie am 
knappsten und schlagendsten 
das Motiv oder die Empfin- 
dung ausdrücken. Auch 
Meuniers kleinste Gestalten 
Der Harnmermeister 
sind gross angeschaut; das Leben erscheint in ihnen auf seinen Kern 
verdichtet; sie sind immer als Ganzes gesehen; der vollkommenste 
Rhythmus beherrscht sie, sie wirken mit der Wucht schlichter Kraft, 
zusammengefassten Ernstes. Alles Zufällige, Nebensächliche, Augen- 
blickliche ist von ihnen abgestreift, sie sind monumental im besten 
Sinne des Wortes. Es bedarf nicht der Versicherung, dass Meunier 
nicht der sculpture a trous, sondern der sculpture a plan huldigt. Alle die 
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