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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 7)

in der Gesammtrichtung des Strebens. Der aussichtslose Wettkampf 
mit der Natur muss aufgegeben werden, nur dann kann wieder Grösse, 
Kraft und Frische in unsere Kunst einziehen und der Künstler als das 
dastehen, was er ist, nämlich als ein zweiter Schöpfer, nicht aber als 
ein Abschreiber der Natur. Einzelnen Künstlern von hervorragender 
Bedeutung ist es wohl gelungen, gelegentlich bis über die Grenzen, die 
der menschlichen Natur im allgemeinen gezogen sind, hinaus ein Stück 
weit in das Gebiet des scheinbar Unerreichbaren vorzudringen. 
Lionardo ist der erste dieser kühnen Pionniere in der Neuzeit gewesen: 
an seiner Schlacht von Anghiari aber scheint auch er gescheitert zu 
sein. Rembrandt hat dieses Ziel wohl erreicht; aber eine seiner würdige 
Nachfolge hat er nicht gefunden. Noch zu seinen Lebzeiten, wesentlich 
unter der Führung seines Schülers Dou, erstand jene holländische 
Kleinmalerei, die weder Naturalismus noch Formalismus ist, sondern 
nur ein Compromiss zwischen beiden bildet, ein Zwitterding, das 
durch die Vorzüglichkeit der Technik wohl die grösste Bewunderung 
erweckte, eine Monumentalkunst aber aus sich heraus nicht zu er- 
zeugen vermochte. Die Wirksamkeit der französischen Impressionisten 
mit Manet an der Spitze war ebenso nothwendig, wie jetzt noch das 
strenge Formstudium nothwendig ist, das diejenigen jungen Künstler 
betreiben, die sich um Klingers Fahne scharen; das stete Studium der 
Natur und der enge Anschluss an sie wird auch dann nicht aufgegeben 
werden, wenn die Bestrebungen der Gegenwart endlich ihr Ziel erreicht 
haben werden: das gesteigerte Können und Wissen wird aber in den 
Dienst eines höheren Zwecks, der freien Kunst zu stellen sein. 
Unserie Sculptur befindet sich, da sie doch nicht ganz den Rück- 
halt an der Architektur verloren hat, in einer günstigeren Lage. 
Angesichts der Schwankungen aber, denen sie gerade jetzt unter- 
worfen ist, empfiehlt sich auch für sie der Hinweis auf die Grundsätze 
einer auf dem Boden der Wirklichkeit stehenden, jedoch mit deren 
Bestandtheilen nach freiem Ermessen schaltenden Kunst. 
Die Architektur endlich könnte mit Vortheil daran erinnert 
werden, dass nach der Befriedigung des unmittelbaren Bedürfnisses 
die geschmackvolle Vertheilung der Massen und die zweckmässige 
Durchhildung der Einzelheiten ihre Hauptaufgabe ist, nicht aber die 
Vergeudung von Schmuck an Stellen, wo er nicht hingehört. Gerade 
in solchem Masshalten sind die Japaner mustergiltig. 
Der Stil, der gefunden werden soll, muss natürlich derjenige 
unserer Zeit sein und derjenige unseres Volkes. Ob man sich zunächst 
an einen fremden oder uns mehr vertrauten, an einen entfernten oder 
uns näher liegenden der bereits bestehenden Stile anlehnt, verschlägt
	        

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