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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 7)

schätzung, und zwar nicht bloss durch das Material, das köstliche 
Elfenbein, aus dem die Hülle gefertigt ward, sondern vor allem durch 
den künstlerischen Schmuck der Aussenseiten mit ihrer figuralen und 
omarnentalen Zier. Meister der Schnitzerei bewährten ihre Kunst 
daran, indes in der Klosterzelle der kunstfertige Mönch seinerseits 
das sorgfältig geglättete Pergament mit kühnen Schnörkeln und 
gleichmässigster Schrift mehr bemalte als beschrieb, zugleich noch 
 
Buchschliesse aus Silber 
Raum lassend für die kunstvolle Arbeit des Miniators, dem es vor- 
behalten war, für das Erdachte und Geschriebene das verständliche, 
verklärende Bild liebevoll darzustellen. 
Welche Summe von Fleiss, Geschicklichkeit, Ausdauer und 
Können steckt in diesen ehrwürdigen, schwer beschlagenen, wuchtigen 
Folianten. Wie neckisch und läppisich sehen dagegen selbst unsere 
Classikerausgaben, die Classiker auf Löschpapier, aus. Es ist leider 
wahr, wenn auch eine Ketzerei, es einzugestehen: unsere technischen 
Fortschritte haben uns in der Ausnützung und Verfolgung selbst der 
wertlosesten und vergänglichsten Stoffe künstlerisch eher geschadet 
als genützt. Man betrachte nur die Farben der mittelalterlichen 
Bilderhandschriften, ihr leuchtendes Roth, ihr tiefes Blau, ihr pracht- 
volles Gold. Man vergleiche das elende und doch so widerstandsfähige 
Papier von Anno dazumal mit unserem heutigen, das wir freilich 
nicht missen möchten, dem wir aber förmlich Gewalt anthun, um 
flüchtigen Moden zu gefallen. Zu jeder Thorheit gibt es sich her, nur 
um „ganz neu" oder „unübertroffen billig" zu sein. 
Das Papier, schon ein Surrogat gegenüber dem Pergament, hat 
wohl gerade deswegen seinen Eroberungszug nur sehr langsam 
fortsetzen können. Verbot doch z. B. Kaiser Friedrich II. im Jahre 1231 
ganz ausdrücklich, Urkunden auf Papier zu schreiben, und noch im 
XIV. Jahrhundert mussten die italienischen Notare sich verpflichten,
	        

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