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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 7)

einer Preisbewerbung, die im Jahrej 1890 durch ein Comite unter dem Vorsitz 
Nikolaus Dumbas ausgeschrieben wurde. Die drei Preise fielen dem jungen 
Hellmer-Schiiler Franz Vogl, Professor Rudolf Weyr und Professor Otto König 
zu. Vogls Entwurf wurde auch zur Ausführung angenommen. Die Aufbringung 
der Mittel ging schwierig genug vor sich, bis der Kaiser selbst sich rnit einer 
beträchtlichen Summe an die Spitze der Beitragenden stellte. Glücklicherweise 
ist es aber „gut Ding", was mit so viel „Weile" zustande gebracht worden. 
Vogls Entwurf ist keine Schablonenarbeit, sondern gibt einem poetischen Gedanken 
selbständigen Ausdruck. Auch ist ihm das Werk nicht hinterher noch ins Land- 
läuiige verstilisirt worden, wie das „MarterW an Scherpes Anzengruber-Grabmal. 
Wir sehen eine richtige Gutensteiner Scene vor uns. Am Fusse eines moos- und 
strauchbewachsenen Felsens sitzt der Dichter auf einer Marmorbank. In die linke 
Ecke geschmiegt, lässt er den rechten Arm auf der Lehne ruhen, während die 
linke Hand etliche Papierblätter haltend in seinem Schoosse liegt. Alle Muskel- 
thätigkeit ist entspannt, wie bei Leuten, die sich in Sinnen und Träumen verloren 
-haben. Das Antlitz, das eigenthiimlich an Alexander Girardi erinnert, spiegelt 
dieses Schweben im Unbestimmten trefflich wieder. Es liegt darauf wie ein vages 
Lauschen auf innere Stimmen, die sich unbewusst melden wollen. Wer weckt sie 
im Dichter? Der Bildhauer weiss es sichtbar zu machen. Hinter dem Felsen hervor 
tritt ein schönes junges Mädchen. Sie ist von Rairnund'scher Race, irgend ein 
„Mädchen aus der Feenwel ". Die Phantasie vielleicht, die durch ihn „entfesselte", 
oder die Dichtung als solche. Jedenfalls ein Wesen, das als seine Muse auftritt. 
Sie hat Libellenflügel und ein shawlartiger Schleier Hiegt um ihre Schultern her, 
durchsichtiges Gewand Hiesst zu den Füssen nieder. Sie bückt sich vorwärts und 
schaut zu ihm hinab und raunt ihm zu, . . . das ist es, was er tief in seiner Brust zu 
hören vermeint. Der Gedanke ist intim und die Gruppe anmuthig gebaut. Sie erklärt 
sich auch ganz von selbst. Und sie passt zum Wesen der Raimundschen Poesie, 
die für ihr Leben gern alle Abstractheiten unbedenklich in die Form einer 
idealisirten Wienerin kleidete und dann von einer nichtidealisirten Wienerin 
spielen liess. Eine „]ugend" für eine Therese Krones und so fort. Nur mit den 
Gewandungen hat der Künstler einige Noth gehabt. Dem allzu Herkömmlichen 
wollte er augenscheinlich gerne aus dern Wege gehen, das lief aber nicht ohne 
Gewaltsamkeit ab. Der Faltenwurf der Fee zersplittert sich, namentlich von der 
Seite und vom Rücken gesehen, in eine Menge Kleinzeug von zerbrochenem 
Detail. Diese Brüchigkeit lässt die Stoffe nicht in Fluss kommen, selbst der frei 
niederhängende Theil des Schleiers bringt es nicht zum richtigen Wehen. Auch 
der Rock des Dichters leidet zum Theil an gewaltsam gezogenen Falten und sein 
breiter Schoss hängt vorne etwas wandartig nieder. Immerhin ist ein liebens- 
würdiger Eigengeist in dem Werke und man sieht keine der gangbaren Abge- 
droschenheiten vor sich. Schade nur, dass man keinen besseren Platz gefunden 
hat, um es aufzustellen, als die halbrunde Bucht, welche in die Auffahrtsrampe 
des deutschen Volkstheaters fällt. Da ist vor allem nicht Raum genug für den 
breiten Unterbau (aus hellgrauem SterzingerMarmor), dessen kräftig vorspringende 
„Wangen" flache Opferschalen tragen und Raimunds Bank wie eine Loge 
umschliessen. Und die stimmungslose Putzfacade des Theaters ist kein guter 
Hintergrund für die schneeweissen Massen von Laaser Marmor. Vollends aber 
ist es ein Widersinn, dass gerade eine Scene des intimsten Horchens unmittelbar 
an die geräuschvolle Lastenstrasse gestellt ist. Ein förmlicher Lastwagencorso -
	        

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