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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 9)

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seiner letzten Zeit noch ein- 
mal überarbeitete und mit 
dem Datum 1853 irrthünzlich 
versah. Da steht ein Eisen- 
bahnzug, den der Sensen- 
mann als Locomotivführer 
begleitet, dem der Tod als 
Heizer gesellt ist. Da steigt 
das neue jahr, dem der 
Friede folgt, in das Coupe 
ein, von allem Volke jubelnd 
begrüsst, vom Schaffner 
ehrerbietigst geleitet. Das 
alte aber als altes humpeln- 
des Weib verlässt still und 
unbeachtet das Nebencoupe 
und ein Packknecht wirft 
ihm höhnisch einen Beutel 
mit Erfahrungen hinterdrein. 
Voll Humor ist ja auch 
die Zeichnung „Der Post- _ 4 „ . , 
Wagen" und andere bekannte Die engen Stiefel (Aachen, Mul.) 
Blätter. 
Alfred Rethel hat als Kind schon die Neigung zum Charakteri- 
stischen, ja Carikirenden gehabt. Neben den Thaten Alexanders und 
Napoleons hat er mehrfach als Knabe niederländische Bilder mit 
drastischen Schilderungen des rüpelhaften Bauernlebens copirt und 
aus seinem Tuschkasten angepinselt. Später hat er namentlich fran- 
zösische Caricaturen nachgezeichnet, wovon Proben in einer Mappe 
erhalten sind, die sich im Aachener Museum befindet und aus dem 
Besitze von Schillings stammt, der sorgfältig alle ihm erreichbaren 
Blätter von der Hand des in seinem Hause von Kindheit an verkeh- 
renden Künstlers sammelte. Hier liegen zahlreiche Kinderzeichnungen 
Alfred Rethels beisammen. So z. B. ein Grabdenkmal, mit ganz 
schüchterner, kindlicher, unreifer Hand gezeichnet, das die Aufschrift 
trägt: „Hier liegt begraben die Lorgnette." Unterschrieben sind 
die Verse: 
 
„Lauf, Wanderer, lauf", 
Halt dich nicht auf, 
Hier liegt begraben die (!) grosse Kritikus, 
Weilandige Lorgnette." 
37'
	        

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