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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 10)

man der Sache weiter nach, so findet man thatsächlich in dem höchst 
seltenen „Catalogue of King Charles the first, capital collection of 
Pictures, Limnings, Statues, Bronzes, Medals and other Curiosities" 
herausgegeben nach dem Originalmanuscript des Van der Doort durch 
Vertue (London I757, Seite 10, Nr. 38) unser Bild ziemlich genau 
beschrieben mit der Angabe, dass es aus Mantua gekommen sei, und 
mit der Benennung: Schule Raffaels. Nach der Zersplitterung der 
grossartigen Galerie verschwindet das Bild, soweit man heute urtheilen 
kann, aus dem Gesichtskreise. Ob die Angabe des päpstlichen Besitzes 
auf einer Verwirrung beruht oder einer bestimmten Überlieferung 
entspricht, hat sich bisher noch nicht ermitteln lassen. In der kleinen 
Monographie über die Galerie Karl I. von Phillips ist über diesen 
Punkt auch nichts zu finden. 
Von einer ausführlichen Beschreibung des interessanten Werkes 
sehe ich hier ab, doch dürfte es nicht überflüssig sein, die Grösse 
anzugeben. Jetzt ist das Bild I'56 Meter hoch und 1'23 Meter breit. 
Oben und unten ist das dicke Pappelholzbrett vor langer Zeit ange- 
stückelt worden, oben um II Centimeter, unten um I0, so dass das 
eigentliche alte Brett nur r3 5 Meter misst. Nahe dem unteren Rande 
des alten Bildes befindet sich die noch nicht aufgeklärte Nummer 232. 
Als Kaunitz das Bild besass, war es offenbar schon angestückelt, da 
sich der Galeriestempel auf der Ergänzung befindet. Fast selbst- 
verständlich ist es, dass unser Bild in den Katalogen der Sammlungen 
Kaunitz und Adamovics nachweisbar ist. Wie lang wird das herrliche 
Werk wohl noch in Wien bleiben? Ich fürchte, wir werden ihm bald 
ein Lebewohl nach London oder Berlin nachwinken, wenn sich nicht 
ausnahmsweise ein Wiener Mäcen zu einer That aufrafft. _ 
Die auf Seite 328 abgebildete Landschaft ist Bestandtheil der 
Galerie Winter Stummer in Wien und findet sich irn gedruckten 
Katalog dieser Sammlung von 1895 eingehend beschrieben. Die 
Urheberschaft des Salomon van Ruysdael ist unverkennbar, selbst 
wenn man die Signatur nicht beachtete, die sich auf der Fähre vor- 
findet. Auch eine wahrscheinliche Datirung gegen 1660 würde man 
nach dem Stil unschwer zustande bringen, wenn man die Jahres- 
zahl 1657 übersehen haben sollte, die der Künstler seiner Unter- 
schrift beigefügt hat. In der ungarischen Landesgalerie und in der 
Georg Ratlfschen Sammlung zu Budapest befinden sich datirte 
vortreffliche Werke aus derselben Periode des Künstlers. 
Von der Geschichte dieses Bildes kenne ich nur einen ganz kleinen 
Abschnitt: Vor X855 hat es sich in der Wiener Sammlung Baranowski 
befunden, aus der es dann zu jos. Winter kam, welcher es sammt
	        

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