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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 10)

ENGLISCHES SILBER AUS DEM XVIII. 
JAHRHUNDERTSP VON VINCENZ GRAF 
LATOUR Sl- 
IE Freude der Engländer an Silbergeräth war 
von jeher gross gewesen. Ein Schrift- 
steller aus dem XVI. Jahrhundert erzählt 
von dem Überfluss an Silbergeschirr in 
den Häusern des Adels, von den wohl- 
gefüllten Silberschränken der Ritter und 
Herren, der Kaufleute und Bürger. Auch 
beim Landpächter sei meistens Silber 
zu finden gewesen, zum mindesten ein 
Salzfass, ein Weinkrug und ein Dutzend 
Löffel. Ein neuerer Schriftsteller sagt 
vom Engländer: Er hängt sehr an seinem Silbergeräthe und wenn er 
auch keine Galerie der Bildnisse seiner Vorfahren besitzt, so hat er 
doch ihre Punch-Bowls und Porringers (Trinkschalen) erhalten. Auch 
die Ärmsten haben irgend einen Löffel oder Napf, das Geschenk einer 
Pathin, aus besseren Zeiten gerettet. 
Aus den Zeiten der Tudors und der ersten Stuarts ist nicht 
allzuviel an silbernem Hausrath erhalten geblieben. Noch das Meiste 
findet sich in den Hallen der Innungen, den Colleges der Universitäten, 
in einzelnen Schlössern - wie der Silberschatz auf Schloss Knole in 
Kent - als Vermächtnis von Donatoren und Vorfahren. Trink- und 
Speisegeschirr jener Zeit unterscheidet sich nicht erheblich von 
den Goldschrniedearbeiten des Continentes. Doch tritt der insuläre 
Charakter auch hier schon bisweilen 
hervor. So sind die Standing-Cups 
mit ihrem pyramidenförmigen Deckel- 
abschluss, die monumentalen Salz- 
fässer, die im Geschmack der Re- 
naissance kunstvoll gefassten Trink- 
gefässe aus deutschem Steinzeug, 
orientalischem Glas oder Thon für die 
Zeit der Königin Elisabeth undJakob I. 
charakteristisch. 
Die grosse Revolution hat unglaub- 
liche Mengen des kostbarsten Edel- 
geräthes zunichte gemacht. Die An- 
 
 
Mug, verfenigt von T. Henning, 
London x76B
	        

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