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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 11 und 12)

Pompejus trägt die Tunica 
und quer über seinem Leib 
liegt in mächtigen Falten- 
zügen die Toga. Selbstver- 
ständlich erinnert keine 
Falte an Michelangelos 
Moses, dessen Mantel so 
viele spätere Generationen von Sitz- 
figuren bekleidet. Eine ganz gewal- 
tige Masse, dieser Antonius. Er hält 
in der Linken, die sich auf die 
Wagenbrüstung stützt, den Feld- 
herrnstab, mit der auf den Sitz herab- 
hängenden Rechten die Kette, an 
der die Löwin schreitet. Sie ist ein 
altes, lang ausgewachsenes Thier 
und ihr geschmeidiger Katzenleib 
'schmiegt sich im Gehen von selbst 
der Krümmung des Wagenkastens 
an. Dieser ist aus Erz, mit Edel- 
steinen besetzt, seine halbkreis- 
förmige Rückwand mit fünf ver- 
goldeten Reliefstreifen, Scenen aus 
dem Leben des Antonius, geschmückt, die Stangen mit Elfenbein 
eingelegt. Das Dreigespann aber besteht aus einem breitmähnigen 
Löwen, dem sich rechts und links zwei junge Löwinnen gesellen; die 
eine scheuert sich im Schreiten mit der ganzen Flanke an der ihres 
grossen Nachbars, so dass sie schief zu stehen kommt. Das ist Alles 
mit voller Wahrheit dem Leben abgelauscht. Überhaupt ist dieses 
Löwengespann von eigenthümlicher Wirkung. Die blossen Rücken- 
linien der Thiere, wie sie sich über einander hinmodulieren, erinnern 
an Hügelketten, die hinter einander entlang streichen. Die Behandlung 
der Thiere ist keineswegs stilistisch, wie etwa selbst bei dem lebens- 
starken Barye, sondern sie folgt bei aller Grösse treu der Natur. Die 
Form ist selbst an Stellen, wo man nicht leicht hinsieht, ganz auf- 
richtig gegeben, die kurzhaarigen („stockhaarigen") Körperflächen 
mit ihren so ornamentalen Fransen- und Quastenbehängen dürfen 
wirken, wie in der Natur, die ja bei diesen Thieren ohnehin so 
monumental ist. Nur der kolossale Massstab stilisiert auch die Bestien. 
Das imposante Werk wird nämlich im Auftrage der Regierung, die 
sich damit ein grosses Verdienst um die Kunst und um Wien erwirbt, 
 
 
Arabischer Musikant (H. O. Miethke)
	        

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