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Volltext: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 11 und 12)

Gemüthspinsel gemalt; das andere ein Durchbruch im Tannenwalde, der mit 
bethörender Sicherheit die Wirkung der „Verduren" aus der Manufaeture des 
Gobelins trifft. Auch Femand Khnopff hat seine hiesigen Anhänger wieder sehr 
befriedigt. Unter den Deutschen steht diesmal Uhde weit voran. Sein grosses 
„Abendmal", das heuer in München auftauchte, ist eines seiner besten Werke. 
Er kehrt hier von seinen letztjährigen Bestrebungen, alten Historienrnalern die 
grosse bestimmte Form abzulernen, zu seiner ersten Weise zurück, die auf Licht 
und Luft den Hauptwerth legte. Seine Stubenscene ist von einem ärmlichen 
Öllämpchen beleuchtet, in deren warmes Licht durch ein viereckiges Fenster des 
Hintergrundes eine kaltgraue Aussendämmerung hereinfällt. Die Mischung ist 
überaus fein und mannigfaltig, das ganze Licht- und Schattenspiel mit wahrer 
Virtuosität gegeben. Fast vergisst man darüber die Innigkeit zu loben, die der 
Künstler dem Ausdruck seiner Köpfe gibt. Vortreffliche deutsche Bilder sieht man 
noch von Skarbina, Dill, Bartels, Zügel, Mackensen; Slevogt und Exter sind sehr 
gereift; die Münchener Wilhelm Voltz („Grablegui-lg" mit feierlichen Farben- 
werthen) und Alois Hänisch mit starkfarbigen Landschaftsstudien fallen zum 
erstenmal besonders auf. Die einheimische Malerei gibt diesmal eine starke Kraft- 
probe und man muss wahrheitsgemäss feststellen, dass sie neben all dem inter- 
essanten Ausland in Ehren besteht. Trotz des Hausbaues und anderer Arbeits- 
sorgen hat die Secession ein vollwerthiges Material an den Tag gefördert. Ihr 
Präsident, Gustav Klimt, steht mit einer Reihe neuer Bilder, so wenig sie dem 
grossen Publicum zu Gefallen gemalt sind (im Gegentheill), ganz auf dem Niveau. 
Seine vielbesprochene Pallas Athene in Goldhelm und cyan-goldener Schuppen- 
Aegis ist eine echt secessionistische Göttin, von aparter Farbenpoesie der Person, 
wie der Ausrüstung. Dieses kühne Werk, das an allen Überlieferungen vorbei- 
geht und nur dem persönlichen Gefühl folgt, wird in der Wiener Malergeschichte 
denkwürdig bleiben. Noch andere Klimtiana zeigen diese poetisch-malerische 
Ader in voller Eigenart. Das Sitzbildniss einer schönen Rosa-Dame im Park hat 
auch bei der Menge einen grossen Erfolg. Bei mehreren Mitgliedern sind starke 
Fortschritte im Sinne der Klärung zu vermerken. Bernatziks „Märchen" ist voll 
grüner Dämmerpoesie. Krämer's inhaltreiche kleine Bilder aus Bremen und 
Rotterdam sind mit einer eigenen Verve vorgetragen, nicht nur der spiegelnde 
Rathssaal, sondern auch die wasserreichen I-Iafenbilder. Bacher's Mädchenstudie 
ist mit grossem Talent ins Modemere gearbeitet. Jettels feine Landschaften sind 
alle sofort verkauft worden. Molls Peterskirche zeigt ihn mit breiterer Technik, 
während zwei norddeutsche Interieurs noch in die frühere Kleinmeisterei gehören, 
alle drei aber dem Beschauer sehr viel zu sagen haben. Engelharts neueste Studien 
von Gartengrün und Sonnenflimmer stecken voll lauschenden Talents. Hohen- 
bergers Chiemseebildertasten feinschmeckerisch im Kühlen. C. Sigmundts„Altstad " 
hat die Poesie der rothen Dächer, Tichy, König, Friedrich, Myrbach (Algraphie) 
sind nicht zu übersehen. Die Krakauer sind nachgerade beliebt geworden. Josef 
Mehoffers grosse Salonscene („Das Gespräch") ist von einer wuchtigen Eigenart 
der Farbe, Form und Behandlung, die immer neues Erstaunen erregt. Mit umso 
grösserem Interesse sieht man sein drastisches Selbstbildnis mit dem starren 
Wald von rothem Haar. Die Studienköpfe von Axentovicz gingen ab, wie warme 
Semmeln, auch die vegetabilischen Phantasien von Stanislawski. Julian Falats 
Skizze zu Napoleons Übergang über die Beresina (Panorama) erinnert an frühe 
Pettenkofens („Russisches Lager an der Theiss"). Der Prager Hynais erfreut
	        

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