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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 3)

des Publicums gehoben hat. Verstummt sind die nörgelnden, höhnenden Stimmen 
von einst. Im Gegentheil, jetzt wird Alles ohne Ausnahme bewundert, auch der 
testende oder irrende Schritt des Suchenden. Die Bilder waren ja schon von der 
ersten Nachlassausstellung im Künstlerhause (Herbst 1895) her bekannt, aber sie 
erschienen jetzt in so neuem Lichte. Das Publicum hat Hörmann mittlerweile 
eingeholt; die Schaffenden sind bekanntlich schon über ihn hinausgegangen. Sein 
Kampf war noch, die Natur „richtig" (sein Lieblingswort!) zu geben; also zum 
grossen Theil ein Kampf um die Technik, ja um den Muth zur Technik. Dies hat 
er für die Heutigen erobert. Heute wagt man Alles und - dies ist fast das 
Wichtigere - man darf Alles wagen. Nämlich, Alles was man kann, also dem 
Beschauer einzureden versteht. Suggestionskraft vor allem wird heute vom Talent 
verlangt. Starke Persönlichkeit also, Selbsteigenheit, die Naturkraft, sich durch- 
zusetzen. Der Beschauer will eine höhere Macht fühlen, die ihn entmündigt. Dies 
gibt ihm die kostbare Empfindung, dass ihn wieder einmal das Undefinirbare, 
Elementare berührt hat. Unsere jetzige Kunst ist weitaus persönlicher, als die 
Hörmannsche sein wollte. Diese war es ja auch, aber mehr wider Willen. 
Hörmann hatte die feste Absicht, sich vollständig an die Natur hinzugeben, allein 
er vermochte es nicht, denn seine Eigenheit war zu stark. Er war zu sehr Charakter. 
Er war gleich ehrlich gegen die Natur und gegen sich selbst. Diese Ehrlichkeit 
und Unbeugsarnkeit wird von ihm allezeit zu lernen sein. Bei der Versteigerung 
kamen Bilder aus allen seinen Perioden unter den Hammer; besonders aus der 
französischen der Achtziger-Jahre und der eigentlich selbständigen, die mit 1890 
begann. Der wirkliche, ganze, freie Hörmann reicht nur von 1890 bis x8g5. In 
dieser Kürze liegt eine ergreifende Tragödie. Das Ergebnis der Versteigerung 
war sehr beträchtlich. Es wurden - in nicht mehr als 21], Stunden - über 
38.000 Gulden erzielt. Die Zinsen dieser Summe sind durch die Witwe zur Unter- 
stützung von künstlerischen Bestrebungen bestimmt, die den Hörmandschen 
gleichen. Ob dies durch Ankäufe, Stipendien oder sonstwie zu geschehen habe, 
ist der Secession anheimgestellt. Bei dieser Versteigerung stellte es sich übrigens 
heraus, dass die Art, wie unsere öffentlichen Sammlungen sich bei solchen 
Anlässen vertreten lassen, nicht die geeignete ist. Ihre Delegirten finden sich mit 
zu strengen Begrenzungen ein und ziehen daher dem frei bietenden Publicum 
gegenüber den Kürzeren. Weder die Stadt Wien, die ja naturgemäss den „Mehl- 
markt" erwerben musste, noch die kaiserliche Galerie, die einen vollgiltigen 
Hörmann nicht gut missen kann, war in der Lage, die gewollten Bilder zu erwerben. 
Sie scheiterten Beide an ein paar hundert Gulden. Der „Mehlmarkt", den einst 
der Künstler selbst der Stadt Wien vergebens für 600 Gulden (!) angeboten hatte, 
ging für 2300 Gulden in den Besitz des Fabrikanten Redlich in Göding über. Die 
Stadt hatte ihren Vertreter auf 2000 Gulden limitirt. Dabei ist zu bemerken, dass 
ein Kunstfreund schon vorher 2 500 Gulden geboten hatte, jedoch von der Secession 
bewogen worden war, sein Angebot zurückzuziehen, damit das Bild der Stadt 
Wien zufalle. Die kaiserliche Galerie nahm mit dem weniger wichtigen Bilde: 
„Bildstock in Mähren" vorlieb. Die akademische Galerie war glücklicher, sie 
erstand das für den Künstler typische Bild: „Znaim im Winter" für 1660 Gulden. 
Hoffentlich werden diese Erfahrungen zur Witzigung dienen. In solchen Fällen, 
wo ein „Muss" obwaltet, müssen die Limiten elastischer sein, denn die Gelegen- 
heiten kommen nicht so bald wieder. Solche verpasste Bilder müssen bei späteren 
Versteigerungen um weit höhere Preise erstritten werden.
	        

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