MAK

Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 3)

ÜSSTELLÜNG TINA BLAU. Im Kunstsalon Pisko (Parkring z) 
finden mitunter interessante Sonderausstellungen statt. Die letzte war die 
der Landschafterin Tina Blau, Witwe des Schlachtenmalers Heinrich Lang. In 
72 Nummern liess sich dieser künstlerische Lebenslauf recht gut verfolgen. Tina 
Blau ist heute vornehmlich die Malerin des Praters. Ihr grosses Bild: „Frühling 
im Prater", mit der blauen Brücke in der Mitte, 1882 gemalt, erhielt im Pariser 
Salon die „Mention". Wie schon den Waldmüller, Holzer und Rudolf Alt, dankt 
ihr mancher ehrwürdige Praterbaum die Verewigung im Bilde. Ihre Lieblings- 
stimmungen sind die milden Halbsonnen des Frühlings und Herbstes. 
Schindler'scher Einiiuss ist unverkennbar. In ihren Anfängen folgte sie auch 
Pettenkofen, sogar nach Szolnok an der Theiss, wo sie aus seiner farbenreichen 
Kleinwelt schöpfte. Späterhin, in den Siebziger-Jahren, arbeitet sie neben Schindler 
im Prater, geht auch, wie die anderen jungwiener von damals, nach Venedig und 
Holland. Gelegentlich streift sie auch Robert Russ, etwa in einer gepiiasterten 
holländischen Landstrasse mit dunkelbraunem Ästegewirr der Baumreihen. Im 
Prater gewinnt sie ihren eigenen Charakter und es gelingt ihr häufig, einen eigen- 
thümlichen Luftmangel, der viele ihrer Bilder trüb und schwer macht, zu über- 
winden. In den letzten jahren zieht sie die Gegenden von Heiligenstadt, Grinzing 
und Perchtoldsdorf vor. Der Pettenkofen-Schindlefsche Zug verleugnet sich 
noch immer nicht, aber die Farbe ist satter geworden, die ganze Methode 
energischer, die Lüfte mannigfaltiger. Ihre Ausstellung liess auch erkennen, wo 
sie überall herumgekommen; von Rom bis Amsterdam, von Paris bis Rothenburg 
ob der Tauber. Unterwegs erfuhr sie noch in München die heilsamen Wirkungen 
Wilhelm Lindenschmitts. Auch als Blumenmalerin ist Frau Lang-Blau viel- 
beschäftigt. Im ehemals Zierefschen Palais (jetzt amerikanische Gesandtschaft) 
malte sie Blumenplafonds auf Glas, wobei zwei Scheiben sich mit ihren bemalten 
Seiten decken, also in einer Art Zwischenglasmalerei. Gegenwärtig hält sie in 
Wien eine vielbesuchte Malschule. 
KLEINE NACHRICHTEN 54b 
IEN. AUSSTELLUNG VON WERKEN DER KIRCHLICHEN KUNST. 
Die österreichische Leo-Gesellschaft beabsichtigt, im Jahre xgoo in Wien 
eine Ausstellung von Werken der religiösen Kunst und des kirchlichen Kunst- 
gewerbes zu veranstalten. Diese Ausstellung soll das Gesammtbild unserer gegen- 
wärtigen kirchlichen Kunst und des Kunstgewerbes in Architektur, Sculptur, 
Malerei, Decoration, Metall- und Textilpararnentik umfassen. Es werden aber 
dabei nur solche Werke der bildenden Kunst zugelassen werden, die ein 
entschieden künstlerisches Streben mit religiöser Auffassung verbinden; aus dem 
Gebiete des kirchlichen Kunstgewerbes werden alle jene Arbeiten zurückgewiesen, 
die des künstlerischen Geistes, solider Technik oder liturgischer Correctheit 
entbehren. Die Ausstellung ist für die Dauer von mehreren Monaten geplant. Im 
Arrangement derselben wird die grösste Aufmerksamkeit auf eine möglichste 
Berücksichtigung der einzelnen Arbeiten gelenkt werden. Eine Hauptwirkung der 
Ausstellung soll aber durch einen, zum praktischen Gebrauch der Besteller 
eingerichteten Katalog erzielt werden. Dieser wird einerseits ein Gesarnmtbild 
des Schaffens darstellen, andererseits die Namen, Adressen und sonstigen in
	        

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