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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 44)

In einem zweiten Berichte, ddto. Singapore 3. April, zeigt Herr Hof- 
rath v. Scherzer die am 30. März mit dem österr. Bßrkachiß Madagascar 
(Cap. Protti) erfolgte Absendung einer Anzahl von Geflechten, Geräthen, 
Schnitzereien, Bronzearbeiten und Samngs aus dem malayischen Archipel 
nach Hamburg an, wo dieselbe Anfangs Juli eintreffen dürfte. Durch 
einen späteren Poetdnmpfer wollte Herr Hofrath v. Scheuer ferner noch 
eine Anzahl nulayiseher Geschmeide und Silbergeräthe einschicken, und 
bezeichnete einige Herren in Singapore, an die sich das k. k. Museum 
zur Vertretung seiner Interessen in diesen Gegenden wenden könnte. 
Die V. Ausstellung des steiermllrkischen Vereine: zur Förderung der Kunst- 
iudustrie. 
Nach und nach beginnt - angeregt durch die vorausgegangenen vier Jllllf9bllll' 
stellungen - der Verein seinem eigentlichen Ziele näher zu rücken, oder eigentlich zu 
sagen, es beginnt allmiilig in der producirenden Industrie der Heimath die Idee der Aus- 
stellung aufgegrifen, der Eifer aazustrebepder Vervßllkummuung- angespornt zu werden. 
Es geht damit wohl langsam, aber stetig und ruhig vorwärts, und es ist ein erfreuliches 
Symptom, dass der Verein, der auf halbem Wege stehen bleibend, schon nahe daran war, 
an der Verwirklichung seiner Bestrebungen zu verzweifeln, durch die zahlreicher gewur- 
dene Betheiligung der Aussteller einen neuen Beweis des Vertrauens erhalten, nrn auf dem 
hetretenen Wege zu verharren und fcrrtznsehreiten. 
Der Ausstellungshbllug ist reiuhhnltiger an Nummern gegen die Vorjahre ge- 
worden, die Räumlichkeiten erscheinen beinahe unzureichend, so dass es hei einer noch 
stärkeren Betheillgung an Baum gefehlt hätte,- sllein, was mehr ln die Wagsehale fällt, 
ist die erfreuliche Wahrnehmung, dass sich diesmal die Vorbilder des Alcerümrus und des 
Mittelalters und moderne Leistungen die Waage halten, daher auf derselben der Sammler, 
Archäologe und der gegenwärtig preducirende Gewerhekünstler reichhaltigen Stuf zur 
vergleichenden und susbaukndeu, zur anregenden und bildenden Beurtheilung und Wahr- 
nehmuu linden werden. 
A weichend von der Eintheilung des Kataloges beginnen wir die Betrachtungen an 
die lletallotechnilt lnwkniipfcn, als denjenigen Industrienweig, der in Steiermark seit 
jeher eine erhebliche Rolle gespielt hat und noch fortzuspielen berufen ist. An den vom 
k. k. Museum für Kunst und Industrie in Wien eingesehiekten Gegenständen in Eisen 
und Metall aus älterer und neuerer Zeit war da! Metnllnrbaitern eine instruutive Samm- 
lung, eine eigentliche Musterkarts von Metalhrzen nissen zu den mannigfaltigsten Zwecken 
geboten worden, wie das Metall in knnstschßner onn behandelt werden soll, gegen welche 
die einheimischen Leistungen des Caumfabrüentul Vilw- Kaedulh in Marburg und die 
des Biichsenmachers Erhart ebendaselbst, sowie des hiesi en Schlossermeisters Kerl, 
des Mechanikers Busch an, der Metallwarenfabrik ehemals nss in ebenso verständiger 
Airsführung, geschmackvolles Ausstattung und vollendeter Technik auftraten. Auen die 
Leistungen der Gold- und Silberarbeiter Keller und Hahn hielten gegenüber den vom 
k. k. österr. Museum eingesehickteu und von hiesigen Besitzen ausgestellten Gegenstän- 
den, worunter als meisterhaft behandelt und. mit alle! Mitteln der Verzierung ausgestattet 
das Cihoriuxn von Vogeno in Aachen, der Ehrenpocal des verstorbenen Freiherrn FML. 
Bianchl, die Krystallgefüsse des Herrn C. v. Pichler, die Pedale und Krüge des Herrn 
Grafen v. Mernn -- letztere seit der Entdeckung des Rvgensburger Schauen bedeutungs- 
voller geworden - anzuführen sind, wacker Stand, und hielten rücksiehtlich der Formen- 
gehnng und stylvullen Behandlung mit ersteren sogar einen rigorosen Vergleich aus. - 
Man konnte ferner dann haben. wie dvsiläeeorutioasmitßl. üß dem rralstiker in du aus. 
Iührung bedeutende Schwierigkeiten bieten, schon Eingang linden, nämlich das Filigran. 
das Niello und das Emnli, und es steht auch zu erwarten, dass mit dem Vlnsleberrrnfen der 
Biüger- und. Kmminduhiesclrelen Fin das Gisslifßä und Grayirqu gssnhulte Kräfte ge- 
wonnen werden und eine bessere Zukunft herainbreehen wird. 
' Beframdend und bedauerlich war die Wahrnehmung," dass die Holntechnik von 
keinem einheimischen Industriellen vertreten war; denn du Tisnhiqrnnnsnninm ü; mit 
dem zur Ausstellung und Preishewerbung angemeldeten Schranke nicht zu Stande ge- 
kommen. Sollte denn unsere einheimische Industrie, an welche bezüglich der Entfaltung
	        

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