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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 4)

derberen Bildungen überging. Beim Vergleiche des in verschiedenen 
Sammlungen zerstreuten Materiales ist namentlich in der dritten 
Gruppe die Übereinstimmung der Glassorte, der Formen und der 
Verzierungen kaum zu verkennen. Man wird zu der Überzeugung 
gedrängt, dass diese Producte derselben Werkstätte angehören, ja, 
in den phantastischen Wellenzügen der Oenochoön und Trullae, 
sowie einigen anderen Stücken muss man sogar dieselbe Hand 
erblicken. Zwischen diesen Arbeiten und den schüchternen, vom 
Zickzackfaden ausgehenden Anfängen einerseits und den virtuosen 
Kunstleistungen der Rosettenkannen anderseits liegt freilich ein Fort- 
schritt des technischen Könnens, wie ihn eine einzelne Person nicht 
in sich durchgemacht haben kann. Aber die Vermuthung liegt nahe, 
dass sie einer Werkstätte entstammen, deren Specialität sich durch 
einige Generationen vererbte. Damit stimmen auch die einigermassen 
datirbaren Fundumstände überein. Das Grabfeld an der Luxemburger 
Strasse in Köln, die reichste Fundgrube dieser Sorte von Gläsern, 
enthielt neben ihnen Münzen von Domitian bis Septimius Severus, 
am häufigsten aber solche des I-Iadrian und Antoninus Pius. Die 
übrigen Beigaben liessen auf die Zeit I-Iadrians schliessen. Der Fund 
von Gelsdorf war mit Münzen und Beigaben der ersten Hälfte des 
III. Jahrhunderts begleitet, der Becher des Wiesbadener Museums_ 
weist sogar auf die späteste Zeit der Antike. Er hat unter dem Rande 
des grünlichen konischen Körpers einen dicht gewundenen Spiralfaden, 
die übrige Fläche nimmt in viermaliger Wiederholung ein regelloses 
Muster von Wellenranken ein, die auf senkrechten Stielen von der Fuss- 
platte aufsteigen. Die Farben des Fadens sind die an der Wende des IV. 
und V. Jahrhunderts üblichen, goldbraun und violettroth. Das Glas ist 
von den Nachfolgern Cohausens unter die zweifelhaften und modernen 
Erzeugnisse verbannt und für die gelegentlichen Besucher dieses 
Museums nur aus der Vogelperspective sichtbar; der Fachmann wird 
in ihm einen interessanten Beweis für das Fortleben des kölnischen 
Schlangenfadenglases in spätrömischer Zeit erblicken. Dazu kommen 
in derselben Periode Canthari mit einem verworrenen, netzartigen 
Belag, der in seinem Ungeschicke fast kindisch anmuthet, wie zum 
Beispiel die Schale aus Östrich im Museum zu Mainz. Die Schlangen- 
fadentechnik reicht demnach vielleicht noch in das Ende des I. Jahr- 
hunderts hinein, ihre Blüte jedoch fällt in das Zeitalter des Hadrian und 
des Antoninus Pius; sie erhält sich auf annähernd gleicher Höhe bis 
an das Ende des II. Jahrhunderts, um von da an derberen Gebilden 
Platz zu machen. Uns Modernen macht sie vor allem sympathisch ein 
Zug persönlicher Freiheit und Loslösung von traditionellen Formen.
	        

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