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Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 5)

 
Arthur Volkmann, Die Löwenjagd, farbiges Relief 
auch in der Kunst führen viele Wege nach Rom; das individuelle 
Temperament und die persönliche Empfindung führen den einen 
zu leidenschaftlicher Wildheit, den andern zu massvoller Zurück- 
haltung. Sicher ist, dass Volkmann den überzeugenden Eindruck der 
Lebenswahrheit zu machen weiss, auch ohne im Naturalismus bis 
zur Wiedergabe der kleinen zufälligen Züge zu gehen. Aber auch 
von Absichtlichkeit, von Mache und Pose sind seine Gestalten weit 
entfernt. Vollcmanns Idealismus ist, wenn man dies Paradoxon 
gestatten will, ein feinsinnig auswählender Naturalismus, wie ihn 
auch die Griechen der sogenannten ersten Blüteperiode pflegten. Die 
Klarheit seiner Forrnengebung - ganz das Gegentheil des „voiler le 
nu", des Verschleiems und Verschwimmenlassens der Formen, wie 
es Rodin liebt - ist die Folge seiner Unterordnung eben unter die 
Natur, die er trotz idealistischerAuffassung als die sichere Grundlage 
der Kunst betrachtet. 
Dieser innige Zusammenhang mit der Natur unterscheidet 
Volkmann - ebenso wie Touaillon - grundsätzlich von Künstlern 
wie Canova oder Mengs, deren Kunst uns nur noch wie eine geistlos 
schablonenhafte Nachahmung des Äusserlichen antiker Kunst 
anmuthet und in ihrer Charakterlosigkeit kalt lässt. Unzweifelhaft ist 
auch Volkmann angeregt und erfüllt vom Besten, was uns aus alt- 
griechischer und altrömischer Zeit iiberkommen ist, aber seine Kunst 
selbst ist selbständig auf dem Boden eigenen Studiums erwachsen 
und auf dem Wege über das Charakteristische zur Schönheit vor- 
gedrungen. 
Die erörterten Eigenschaften, jenes Gesunde, in sich Vollendete 
tragen, wie der Läufer, auch die übrigen Gestalten Volkmanns, je nach 
Gelingen mehr oder minder alle an sich, so sein charakteristisch 
weich und üppig gebildeter Bacchus im Museum zu Breslau, sein 
Putto mit dem Apfel in der Hand, seine weibliche Figur mit dem
	        

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