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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 5)

29 Meter 50 Centimeter (90 Wiener Schuh) lang, 15 Meter 15 Centi- 
meter (48 Wiener Schuh) breit und geht durch zwei Geschosse. An 
der gewölbten Decke ist ein figurenreiches, von dem Wiener Maler 
Daniel Gran trefflich componirtes Gemälde, die Vermählung der 
Tugend mit der Wissenschaft durch die Religion und ihre segens- 
reichen Folgen darstellend. Um das Mittelfeld herum sind die Bilder 
der verschiedenen Wissenschaften oder Beförderer derselben in 
Medaillonform. Die Ideen zu dem Gemälde sind vom Propst Joh. 
Georg selbst, der sie im Jahre 1746 an den Meister der Kuppel- 
malereien in der Wiener Hofbibliothek nach St. Pölten übersandte. 
Gran sprach in der Hauptsache seine vollste Zustimmung aus und 
hat den Gedanken des trefflichen Prälaten Leib und künstlerisches 
Leben in seinem Entwurfe gegeben. Bartholomäus Altomonte hat 
1747 seinen Gestalten die lieblichen Farbentöne geliehen und über- 
haupt in feinerer Manier gemalt, als an der Decke des Hauptsaales, 
dessen Figuren nicht immer frei sind von Derbheit der Formen und 
Mangel charakteristischenAusdruckes. Die das Mittelfeld umgebenden 
Architekturmalereien sind von Antonio Tassi aus Mailand, der auch die 
Architekturrnalereien im Oratorium der Kirche (1748) und im Capitel- 
zimmer (1749) übernahm. Die schönen Schränke, die hohe Portal- 
thür, die elegante durchbrochene Galerie, welche in der Höhe hemm- 
läuft, sind aus Nussbaumholz und kunstreich eingelegter Arbeit, ein 
Werk des Joh. Christian jegg, eines Sohnes des im Dienste des 
Stiftes ergrauten Christian. Sie waren 1749 fertig und im Jahre 1750 
wurde endlich die Aufstellung der Bücher durchgeführt. Die an den 
Saal rechts und links stossenden 6 Zimmer wurden erst 1750 und 
1751 mit Thüren und Fenstern versehen. 
Auch in diesem Saale verdienen die edlen Verhältnisse und die 
würdige Ausstattung alles Lob. Acht sehr grosse Fenster unterhalb, 
ebenso viele kleinere auf der Galerie, alle gegen Osten schauend, 
verbreiten reichlich Licht. Die zierlichen Holzarbeiten des jüngeren 
Jegg und darüber der Farbenhimmel Tassis und Altomontes bringen 
einen das Auge erquickenden Gesammteindruck hervor. Mit den an 
den Saal sich anschliessenden Gemächern ist der Raum für 100.000 
Bände geschaffen, kann aber durch Ausräumung eines Theiles der 
Bildergalerie, welche mit der Bibliothek durch eine Thür in Ver- 
bindung steht, auf 140.000 erweitert werden. 
Vor dem Saale erstreckt sich eine Vorhalle, von schönen Gitter- 
thoren begrenzt, welche Meister Ludwig Gattringer aus Linz im 
jahre 1749 um 700 Gulden hergestellt hat. Beide haben zusammen 
ein Gewicht von 1900 Pfunden. Vom Hofe her, den wir schon
	        

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