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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 5)

sich den prächtigsten Arbeiten an, die je aus dieser Anstalt hervorgegangen. Den 
Grundton bildet ein dunkles Blau, eine Nachahmung des berühmten bleu du roi 
von Sevres. Da dieses Blau auf Hartporzellan damals noch nicht in solcher 
Vollendung hergestellt 
werden konnte wie in 
Frankreich, wo die weiche 
Masse den Vorgang be- 
deutend erleichterte, er- 
scheint es bei genauerer 
Betrachtung noch etwas 
wolkig und Bockigmament- 
lich gegen den Rand zu, ein 
charakteristisches Kenn- 
zeichen für die blauen 
Service aus den ersten 
Jahren der Sorgenthal- 
schen PeriodeJBinigeJahre 
später kam bereits das 
sogenannte Leithner-Blau 
in Verwendung, das eine 
prächtige Scharffeuerfarbe 
abgab.Von diesem dunklen 
Grunde nun heben sich 
antikisirende Ornamente in 
aufgehöhtem Gold von 
zweierlei Nuancen ab, 
Akanthus - Voluten, Bu- 
kranienfriese mit Guirlan- 
Tischleuchter aus Silber den" Lorbeerstäbe u' dgL 
Die Behandlung des auf- 
gehöhten Goldes ist noch 
keine so kräftige und brillante wie in späterer Zeit, sie schlägt nicht hervor, sondern 
fügt sich discret in die Gesammtdecoration. Zwischen den grossen Flächen mit 
dunkelblauem Grunde und Golddecor sind kleine Felder mit lichten Grundtönen und 
Grisaille-Malerei angeordnet. Diese Felder, ungleich in Form und Ausdehnung 
heben sich cameenartig von einem chamoisfarbenen durchgehenden Grunde ab, der 
bandartig zwischen die grossen blauen Flächen eingefügt ist. Die cameenartigen 
Malereien sitzen abwechselnd auf Lila-, Rosa- oder Goldgrund. Während der 
Golddecor rein ornamental ist, leiten die Grisaille-Malereien mit Masken, Amoret- 
ten und Tritonen in das Flgurale Genre hinüber, das in einer antiken Opferscene 
im Mittelfelde der Servirplatte gipfelt. An einem Altar steht ein von Amorinen 
umgebenes Mädchen, das einem geflügelten Genius, der im Begriffe ist, die Opfer- 
Hamme zu entzünden, ihr Herz darreicht. Die prächtige Ausführung des Ganzen 
im Verein mit der Darstellung im Mittelfelde deutet darauf hin, dass dieses töte- 
a-tete als vornehmes Hochzeitsgeschenk gedacht war, wie solche namentlich von 
Seiten des hohen Adels damals gerne aus der kaiserlichen Fabrik bezogen wurden. 
Die auf der Rückseite eingeprägte Jahresnurnmer weist auf 1787. Das ist natürlich 
nur in Bezug auf den Hartbrand eine absolut verlässliche Datirung. Ob auch der 

	        

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