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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 6)

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Abglanz jener vielleicht glänzendsten Periode der Gewebe-Erzeugung. 
Denn das müssen wir heute unbedingt anerkennen, keine Zeit bis in 
die neueste hat so herrliche Stoffe wie das späte Mittelalter geschaffen. 
Die Renaissance hat auf diesem Gebiete einen zweifellosen Rückschritt 
 
Stuhl mit bedrucktem Überzug: aus 
dem Nrstl. von und zu Liechten- 
steinischen Schloss: zu Feldsberg. 
XVIII. jahrhunden, z. Hüfte. 
 
Bemalte: Stuhl mit theilweisem Model- 
vordruck aus dem fllrstl. von und zu 
Liechtensteinischen Schloss: zu Felds- 
berg, um 1760. 
gethan; die mehr plastisch, kühl überlegende Auffassung dieser Zeit 
hat keinen Sinn für jene weichen, wogenden Muster, in denen der 
träumende Geist des Mittelalters aufs ungestörteste sich ausleben 
konnte. Die Renaissance bevorzugte mehr einfache, in der Masse, 
durch den Schnitt oder Faltenwurf wirkende Stoffe; der Schneider 
spricht mehr bei dem Kleide mit, als der Stofferzeuger. Das XV. Jahr- 
hundert bildet da die hin- und herschwankende Übergangsperiode, bis 
sich das XVI. deutlich entschieden hat. Nun ist für den Stoffdruck 
eine schlechte Zeit angebrochen; zum Theile geht die Erzeugung, 
besonders in Deutschland wohl weiter, auch werden gerade im 
XV. Jahrhunderte ganze Bilder, vor allem Antependien für die 
Fastenzeit, sogenannte „HungertücheW angefertigt; aber doch ist der 
Rückschritt ein offenbarer. Schon das Vorherrschen der blossen 
Druckerschwärze ist nicht eben erfreulich. Auch die gleichfalls durch 
Modeldruck hergestellten gepressten Samrnte sind bezeichnend für 
diese Zeit.
	        

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