MAK

Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 6)

künstlerische Erziehung des Publicums und damit die Kunst überhaupt 
zu fördern, und dass damit ein weit höherer Zweck gegeben ist, als 
durch die blosse Gelegenheit, die angesammelte Kunstware an den 
Mann zu bringen. Ein Rundgang durch die Räume der diesjährigen 
Dresdener Ausstellung ist ein wahrer Genuss. Nicht mit dem Gefühl 
der Übermüdung und Überreizung verlässt man sie, sondern ästhetisch 
nach den verschiedensten Seiten angeregt. Die reizvolle Mannig- 
faltigkeit des Dargebotenen, wie der Ausstattung der Räume hat 
daran ihren wesentlichen Antheil. 
Der Eintrittsraum ist eine achteckige Kuppelhalle. Diese haben 
die Leiter der Ausstellung - Architekt julius Gräbner und Maler 
Gotthard Kuehl - in eine Art Garten verwandelt, indem sie die 
Wände mit anmuthig ausgeschnittenem grünem Holzwerke ver- 
kleideten, in die Nischen streng verschnittene dunkle Lorbeerbäume 
stellten und ringsum Rasen mit einzelnen verstreuten Tulpen anlegten. 
Mit mannigfachen Abtönungen von Grün wurde so eine eigen- 
artige, heitere Wirkung erzielt, die durch die bekannte Gruppe des 
elektrischen Funkens von Reinhold Begas in gelungener Weise ver- 
stärkt ward. 
Höchst überraschend wirkt die nun folgende grosse Halle, in der 
die Plastik untergebracht ist; immer von neuem staunt man, wie 
hier die drei voll ausgesprochenen Farben: Roth (Fussboden), Gelb 
(Stuckwände) und Blau (Fries der Stuckverkleidung), verbunden sind, 
wie eine so kraftvolle und dabei doch so harmonische Farbeinwirkung 
erzielt worden ist. Gräbner hat es mit seiner Decorationskunst ver- 
standen, die conventionell unschöne Architektur des Saales vollständig 
für den Beschauer zu beseitigen. Im Hintergrunde hat er eine Terrasse 
für die kleineren Bildwerke geschaffen, zu welcher zwei Freitreppen 
emporführen; sie bildet den wirksamen Hintergrund für die grossen 
Bildwerke des unteren Saales, die hier ganz vorzüglich zur Geltung 
gebracht sind, während oben die kleineren Bildwerke Aufstellung 
gefunden haben. Unten steht als Hauptstück der allerdings sehr auf . 
den Effect gearbeitete, wenig monumentale Brunnen für Bremen von 
Maison in München, oben der überlebensgrosse Siegesreiter von 
Tuaillon. Besonders bemerkenswert bei der Farbenkunst in der Deco- 
ration ist, dass uns durchaus nichts vorgetäuscht wird; jedes Material 
will nur das sein, was es in Wirklichkeit ist, aber seine verwendbaren 
Eigenschaften werden auch aufs wirksamste ausgenützt. Überhaupt 
ist in der Ausstellung durchweg mit der Surrogatwirtschaft, welche 
die verflossene Neurenaissance-Periode des Kunstgewerbes so 
unleidlich machte, gebrochen. Die Gemälde-Säle bieten eine reizvolle
	        

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