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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 2)

Für die Antiken-Sammlung war die wertvollste Acquisition eine erzene 
Wurfscheibe (discus) aus Sicilien, der Heimat so manchen Siegers in den 
hellenischen Wettkämpfen. Der Discus trägt als Zeichen einen ursprünglich wohl 
in Silber oder in hellerer Bronze 
eingefügten Delphin, dessen Um- 
risse mit der der archaischen 
Kunst eigenenPräcision und Signi- 
ficanz in die Scheibe geschnitten 
sind. Allem Anscheine nach 
stammt diese Wurfscheibe noch 
aus dem VI. Jahrhunderte und 
ist somit älter als die zwei 
anderen bisher bekannt gewor- 
denen, gleichfalls mit iigürlichem 
Schmucke ausgestatteten Disken, 
von denen der eine aus Aegina im 
Berliner, der andere aus Sicilien im Londoner Museum aufbewahrt wird. 
Beide, mit einander ähnlichen Figuren eines Epheben mit Sprunggewichten 
und eines anderen mit dem Wurfspiesse geziert, dürften erst dem Anfange des 
V. Jahrhunderts angehören und als Votivgeschenke gearbeitet sein, während der 
neuerworbene, der sie an Grösse übertrifft, eine wirklich gebrauchte Wurfscheibe 
war. Von den sieben oder acht durch die deutschen Ausgrabungen in Olympia 
zu Tage geförderten Disken sind alle bis auf einen, der mit einer Inschrift aus 
dem Jahre 24x nach Chr. versehen ist, glatt und schmucklos. 
Ausserdem erhielt die kaiserliche Sammlung aus den Funden von Bosco 
Reale bei Neapel erlesene Bronzen: einen schönen Schöpflöffel mit langem, in 
einen Schwanenhals endigendem Stiele, einen Thürgrifi" und einen interessanten 
Thürriegel, dessen völlig gleiches Gegenstück das Museo Nazionale in Neapel 
erworben hat. Der Terracotten- und Vasensammlung kam Zuwachs aus den 
Gräberfunden von Eretria zu: so ein Weinkrug, dessen Vordertheil als Frauenkopf 
mit traubenbehangenem Weingeäste im Haare gebildet ist, ein eigenartiges und 
reizvolles Erzeugnis attischer Keramik aus dem Ende des V. Jahrhunderts, ferner 
eine weisse attische Lekythos, demselben Jahrhundert angehörig, auf die in feinen 
Conturen Frauen mit 
Grabesspenden gezeich- 
net sind, ein Salbgefäss 
in Form eines mit derSan- 
dale bekleideten mensch- 
lichen Fusses, sowie 
einige bacchische und 
V Theatermasken. Aus 
Phokaia stammt ein 
zweihenkeliger Thou- 
becher mit geometri- 
schen Ornamenten, aus 
Armenien ein kleiner 
- Frauenkopf, technisch 
Vermeilschüssel von Joh. Ludw. Strauss in Strassburg dadurch nicht ohne Inter- 
 
Bronze aus Bosco Reale 

	        

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