MAK

Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 10)

des Künstlerhauses als ernsthafter Deckenbildmaler, das ist eine Art 
localer Merkwürdigkeit. Es ist übrigens ein Schubert-Plafond, mit 
einem dichtgesäten Reigen von Putti, welche Schubert kreisförmig 
„umhuldigen", während in den Ecken vier Medaillons sich schüchtern 
auf Schubert-Lieder beziehen. 
Doch wir gehen zu den drei Haupträumen über. Es ist gewiss 
bemerkenswert, dass alle drei nicht von Architekten, sondern von 
Malern - Makart, Klimt, Matsch - entworfen und durchgestaltet 
sind. Schon das schliesst den schulmässigen Zug aus, sie sind 
von vornherein malerisch-decorativ empfunden. 
Das Makart-Zimmer - wer kennt es nicht? Jenes Eckzimmer im 
ersten Stocke des Dumbafschen Hauses, zu dem sich abends, wenn 
es beleuchtet ist, das Auge jedes Vorüberschreitenden emporhebt. 
Fremde vollends bleiben überrascht stehen und schauen hinauf in 
jene himmelblaue Plafondluft, in der sich farbenflimmernde Formen 
wiegen, und suchen rechts und links einen Zipfel der dazu gehörigen 
Wandgemälde zu erhaschen. Das ist eine der merkwürdigsten 
Häuserecken Wiens. Makart hat dieses Werk in den jahren 
1872-1873 geschaffen. Er war damals schon Unterthan Caterina 
Comaros, und nicht einmal in paitibus. Er war satt von alt- 
venezianischer Üppigkeit. Dieses Studirzimmer eines Wiener Bürgers 
zauberte er in das Empfangszimmer eines Nobile aus dem Goldenen 
Buche um. Warum nicht? In diesem Stile waren die damaligen 
Wiener am meisten zu Hause, er war ihr Adoptiv-Nationalstil 
geworden. Das Getäfel ist selbstverständlich dunkles Holz. Alles 
gliedert sich in einer massiven Plastik. Und dennoch ist ein gewisses 
Verhältnis zur Grösse des Raumes eingehalten, so wenn das Getäfel 
erleichtert ist, indem es durch vorgestellte geschnitzte Hermen sich 
in Bücherregale auflöst, die ihm den Charakter des Durchbrochenen 
geben. Die oberen Flächen sind mit Malerei erfüllt. Die Wandbilder 
machen den Eindruck von dunkelglühenden Tapeten, auf denen 
stellenweise Goldgrund durch die Farben bricht. Das Ganze geht 
in einen tiefen sonoren Ton zusammen, als eine Welt für sich, aus 
der man in die hellen Wiener Gassen wie in eine Landschaft 
hinausblickt. Kunst, Wissenschaft, Arbeit geben die Motive der 
Darstellungen her. Die Decke ist der Musik gewidmet. Ein Mädchen 
in weissem Gewande, meisterhaft in der Verkürzung gezeigt, spielt 
auf der Orgel geistliche Musik; der Ruhm eines Helden wird auf 
der Tuba verkündet; die Fanfare der Jagd erschallt; Faun und 
Nymphe schwingen sich im Rhythmus der Tanzweise. Und im blauen 
Raume, den diese Gruppen umschliessen, gaukeln schimmernde
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.