MAK

Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 10)

welches Wien mit dem Phäakenland Corfu gemein hat. Es scheint 
den Künstler nach der Damenseite hin zu weisen, aber schliesslich 
braucht ja auch diese ihre Kunst - und soll sie haben. 
Wie dem Musiksalon, so sieht man auch diesem Raume sofort 
an, dass ihn kein Architekt entworfen hat. Ein solcher würde 
zum Beispiel die eine halbe Wand breite Öffnung zum Wintergarten 
gewiss architektonisch umrahmt haben, während Matsch dies durch 
Malerei, also durch einen breiten Farbenstreifen bewirkt. Auch drei 
verschiedene Lösungen für die Thüren eines Raumes würde ein 
reiner Baumensch schwerlich wagen. Das vorherrschende Material 
ist polirter Stuckmarmor; für einzelne Hauptsachen standen schöne 
echte Marmorarten zur Verfügung, und für plastische Verzierung ist 
Metall in verschiedenen Farbentönen reichlich verwendet. Der 
Gesammtton ist so hell als möglich, ohne grell zu sein. Für die 
Wandflächen haben drei verschiedene Marmorsorten als Muster 
gedient. Die Sockelstreifen haben ein warmes, weisslich durch- 
hauchtes Grau. Der mittlere Streifen, etwas über meterhoch, ahmt 
einen egyptischen Marmor nach, dessen feiner Crämeton luftig 
gewölkt und mit kaum merklichen dunklen Pünktchen und zarten 
gelbbraunen Äderungen durchsetzt ist. Darüber folgt das obere 
Drittel, friesartig, in noch hellerem Creme, mit noch leiserer hell- 
gelblicher Äderung, nach einem italienischen Stein. Zwischen der 
zweiten und dritten Schichte geht ein nicht profilirter, bandartiger 
Simsstreifen aus dem grauen Marmor des Sockels hindurch, gleich- 
sam als Verbindung der Thürstöcke, die aus einem echten, sehr 
ruhigen, wenig gewölkten italienischen Marmor von feinstem Maus- 
grau gearbeitet sind. Die Profile des Gewändes sind sehr einfach und 
gemässigt. Das stärkste hat die Cimaise des Lambris, es besteht aus 
Deckplatte, Kyma, I-Iohlkehle und Stab. Nach oben werden die 
Profile immer zarter; das nächste hat nur noch ein paar Leisten und 
einen Stab; ganz oben aber verbreitet sich ganz flach gehalten ein 
frei gewähltes spätgriechisches Gebälk. Die senkrechte Gliederung 
der Wände geschieht durch cannelirte jonische Pilaster, die in den 
Ecken und zu beiden Seiten der Wintergartenöffnung aufstreben. 
Die beiden Hauptthüren sind frühgriechisch gebildet und die beider- 
seitigen oberen Ausladungen ihrer Rahmen machen die Verbindung 
mit zwei beiderseits freistehenden Hermen harmonischer. Die kleinen 
Thüren sind gleichfalls hellenisirend mit zierlichem linearem Detail 
eingerahmt. Übrigens sind die Thüren ganz freie Bildungen, wie 
denn überhaupt im ganzen Raume sich das Bestreben regt, nicht 
nachzuahmen, sondern auf antiker Grundlage Modernes zu machen.
	        

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