MAK

Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 10)

Scheibe mit irisfarbenem Rande (Schatten und farbiges Licht!) 
hinter ihrem Kopfe schwebt. Aug' in Auge mit ihr steht am Ende 
ihrer Wandabtheilung eine gemalte Pallasbüste mit Helm und 
Brünne, in Stein und Goldbronze gedacht, mit rnarmorweissem 
Antlitz. Als Verbindung sind dazwischen auf den Thürsturz Pinsel 
und Palette hingelegt. Über den Thüren endlich stehen zwei 
getriebene und vergoldete Reliefbüsten, mit Marmor combinirt: Athena 
und Apollo. 
Der Speisesaal Nikolaus Dumbas wird gewiss Aufsehen machen 
in den Wiener Kunstkreisen. Er wird vielleicht auch ein Beispiel 
geben zur Nacheiferung; Kunstfreunden, deren Schaffen ja im 
Schaffenmachen besteht. Früher gab es in Österreich eine solche 
Tradition. Wenn sie wieder aufleben sollte, wird Nikolaus Dumba 
viel dazu beigetragen haben. 
NKAUF FÜR DIE KAISERLICHE GEMÄLDEGALERIE. 
Das Bild von Peter Fendi, dessen Reproduction wir bringen, wurde vor 
Kurzem vom Oberstkämmereramt aus Privatbesitz für die kaiserliche Galerie im 
kunsthistorischen Hofmuseum erworben. Mancher Leser wird sich desselben 
von der Congressausstellung her erinnern, wo es neben anderen Arbeiten Fendis 
figurirte. Das Bild, in Ölfarben auf Holz gemalt und „13. April 1826" signirt, stellt 
die Feldmesse dar, welche an diesem Tage auf dem äusseren Burgplatze zur 
Feier der Wiedergenesung Kaiser Franz I. von schwerer Krankheit abgehalten 
wurde. Unter einem Zelte auf dem Plateau des äusseren Burgthores wird die 
Messe celebrirt. Der Künstler wählte den Moment nach der Wandlung, in welchem 
der Pontificant das Allerheiligste emporhält; die Truppen haben soeben die Salven 
abgegeben und Pulverrauch, von der regenschweren Luft niedergehalten, zieht in 
Schwaden über die Raseniiäche des weiten Platzes. ln Reih und Glied knien die 
Soldaten, während die berittenen Generale und Officiere die Säbel gesenkt halten. 
Vorne rechts am Risalit des Rittersaales der Hofburg sieht man eine charakteri- 
stische Gruppe des Wiener Publicums; ganz links bei dieser Gruppe, gegen die 
Mitte des Bildes zu, hat der Maler sich selbst porträtirt, seine Mutter am 
Arme, die aus dem Gebetbuch liest. Hinter dem Burgthore der Blick auf das 
Glacis und darüber weg auf die „Casa piccola", die Getreidemarkt-Kaserne, die 
Pfarrkirche auf der Laimgrube, die Ingenieurakademie und das Gebäude der 
ungarischen Garde. 
Reich an reizvollen, für Fendi so bezeichnenden genrehaften Details, ist 
das Bild auch in seiner auf den Accord Grün-Roth basirten Gesammtstimmung 
und der feinen Luftperspective eine der gelungensten Arbeiten des Künstlers. 
Wahrscheinlich beabsichtigte er diese Augenblicks-Studie zur Erinnerung an den 
denkwürdigen Tag in grösseren Dimensionen auszuführen, wozu es jedoch aus 
unbekannten Gründen nicht gekommen ist.
	        

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