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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 10)

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als widerliche Eigenheit fühlbar. War das Ganze an sich nicht anziehend, so wurde 
es erst recht aufdringlich durch die Wirre der kleinsten Formen, die in gleich- 
rnässiger Deutlichkeit die Bildfläche beherrschten. War unter vielen, oft durch den 
Feldmesse auf dem äusseren Burgplatze, Ölgemälde von Peter Fendi 
 
Zufall gebotenen Objecten eines, dessen schönheitsmässige Erscheinung es zur 
Ausnahme machte, dann konnte man zum Lobe des photographischen Abbildes 
den Ausruf der Verwunderung vernehmen: Wie nach einem Gemälde! 
Hiemit ist auch schon die Richtung angedeutet, die zur Schaffung einer 
künstlerischen Photographie führen kann. Wahl und Präsentation des Objects, 
Stimmung, Ton, Vermeidung aller störenden Zufälligkeiten, Format, schliesslich 
mancherlei individuelle Eigenthümlichkeiten u. s. w. können, wie bei Gemälden, 
auch bei Photographien künstlerischer Wirkung niemals unberücksichtigt bleiben. 
Die Arbeiten der Künstler-Photographen weisen aus gutem Grunde eine 
gemeinsame Eigenthümlichkeit auf: das Streben, mit den einfachsten Mitteln 
das Auskommen zu finden; bei den Darstellungen von Menschen ist alles nicht 
unumgänglich nöthige Beiwerk vermieden, die sogenannte „Ausstattung" des 
Berufsphotographen fehlt gänzlich. Die Landschaft, die Marine u. s. w. geben 
sich in der einfachsten und dabei wirksamsten Art. Wenn früher mancher 
Berufsphotograph in gehäuften Details ßrmlich schwelgte, erringt der Künstler- 
Photograph durch die Wahl der machtvoll grossen Erscheinung die bedeu- 
tendsten Erfolge. Die abstracte Glätte des photographischen Papieres, die 
sonst förmlich dazu einlud, die Bildfläche mit der Loupe abzusuchen, hat für 
künstlerische Darstellungen keinen besonderen Wert. Dagegen rnodificiren, 
unterstützen oder ergänzen die in verschiedenartigster Weise charakteristischen 
Structuren der Bildfläche das Ergebnis der photomechanischen Processe. Die 
Bedeutung der erreichten freien Bewältigung von Farbe und Stimmung braucht 
fast nicht erwähnt zu werden. 
Ein nur Hüchtiger Blick auf die Bildergruppen der Ausstellung gibt 
Gelegenheit genug, das hier Vorgebrachte zu bestätigen. Wenn manche von den 
Bildwerken geradezu an die Charakteristik eines oder des anderen Meisters 
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