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Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 1)

 
Kästchen aus Silber und jade von R. Ll. B. Rathbone in Liverpool 
an die überlieferten Formen der Schiffslampen und Laternen erinnernd. Die Arbeiten der 
Birmingham Guild of Handicraft stehen hier in erster Reihe. Das Suchen nach der ange- 
messenen Gestalt für elektrische Beleuchtungskörper ist interessant, aber kaum erfolg- 
reich zu nennen. Bis jetzt wird der Charakter des neuen Leuchtmittels noch immer mehr 
verheimlicht als ausgenützt. Hier muss derStil erst gefunden werden. Sehr gute, gehämmerte 
Gefässe aus Kupfer und Messing wurden von Rathbone in Liverpool gebracht. Interessant 
sind auch die Versuche, dem Blei in seiner Verwendung für Bauten - the Plumbers 
work - eine künstlerische Form zu geben. Die berühmte Falkirk Iron Company trachtet, 
das Gusseisen in verschiedener Weise, namentlich für Beheizungszwecke wieder zu Ehren 
zu bringen. Eine grosse Kaminanlage ist eine gute Probe im Sinne der neuen Richtung. 
Unter den Fayencen sind vorzugsweise die Arbeiten derDellaRobbia Pottery Company 
und die Töpferarbeiten mit Metallreüexen von De Morgan zu verzeichnen. Die ersteren 
bevorzugen eine Art präraphaelitischen Decors. Die letzteren, obwohl nicht ohne Wirkung, 
können sich doch an Reiz der Farbentöne mit den modernen südfranzösischen Arbeiten 
nicht messen. James Powell ä Son haben eine schöne Zusammenstellung von Gläsern 
gebracht. Der Stil schwankt zwischen Tiffany und den guten alten Venezianer Gläsern. 
Die Wirkung des herrlichen englischen Glases kommt wie immer auch hier zur Geltung. 
Die ausgestellten Möbel füllen nicht viel mehr als eine der drei Galerien. Nirgends 
ist der Versuch gemacht, durch interieurartige Zusammenstellung oder durch sogenannte 
malerische Gruppirung zu bestechen. Nüchtern und zur genauesten Besichtigung einladend, 
sind Schränke, Stühle und Tische den Wänden entlang aufgestellt, und in der That ver- 
tragen sie nicht nur die peinlichste Prüfung, sie können durch dieselbe nur gewinnen. 
Die gesuchteste Einfachheit bei Verwendung des besten Materials lässt der technischen 
Vollendung nahezu überall den Vortritt. Es ist auch wirklich ein Vergnügen, diese wunder- 
bar sich öffnenden und schliessenden Thüren und Laden, die tadellosen Füllungen und 
Holzverbindungen zu prüfen. Gewiss ist Stil in dieser oft jede Verzierung verschmähenden 
Kunst des Cirkels und I-Iobels und in der stolzen Ehrlichkeit des verwendeten Materials, 
welches häuBg ohne jeden Firnis, Beizung, Politur oder Färbung gelassen wird. Der 
Vorkämpfer dieses Stils grösster Einfachheit ist C. F. Annesley Voysey, dessen Vielseitigkeit 
überhaupt die Ausstellung durchdringt. Es ist kaum ein Zweig des Kunst- und Baugewerbes, 
kaum eine Technik, für welche er nicht Entwürfe geliefert hätte. Von ihm sind auch das 
Chaucer-Cabinet und der Armsessel von F. Coote, dann das Stationery-Cabinet von Henry, 
dessen Abbildung wir bringen. Ein gleich einfacher Anrichtschrank von Sidney H. Barnsley 
verschmäht sogar alle Metallbeschläge und ist mit hölzernen Griffen und Handhaben aus- 
gestattet. Ein „Cottager's Chest" genannter Schrank von I-Ieal 8: Sons gehört der gleichen
	        

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