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Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 4)

joseph Urban nicht zu umständlich. 
Ein eigentlich künstlerischer Brenn- 
punkt fehlte, doch gab es manche inter- 
essante Wand und Ecke und eine An- 
zahl ganz hervorragender Werke. Der 
geschickt umgeformte Hof war mit 
Plastik gefüllt. (Nebenbei ist es charak- 
teristisch für die leider erst ha1bver- 
gangene Art zu bauen, dass man eine 
als Ausstellungslocal beabsichtigte 
Räumlichkeit jedesmal erst umbauen 
muss, um sie einigennassen zweck- 
dienlich zu machen.) Hier sah man 
die beiden polychromen Heroldreiter 
Rudolf Maisons vom deutschen Reichs- 
hause, mit der allzu blechernen und 
ledernen Wahrheit ihrer Rüstungen. 
Dann zwei mächtige Ringergruppen 
von Jef Lambeaux, eine in Marmor, die andere für Erz; die marmorne streng 
statisch im Boden wurzelnd, die für Bronze gedachte voll echten Luftschwungs, 
da der eine Ringer den anderen hoch in der Luft umgekehrt hat. Wie energisch 
das Temperament des belgischen Meisters ist, zeigte der Vergleich seiner marmomen 
Gruppe, etwa in ihren gewaltig durchgestalteten Rückentheilen, mit einem marmornen 
„Herkules und Antäus" von Gasteiger (München), wo alles in zwei ehrlichen Alltags- 
Acten stecken bleibt. Da waren ferner zwei grosse Büsten, die mit einer gelassenen 
Grösse gestaltete der Königin Victoria von Onslow Ford und die trotz einer gewissen 
Schwerfälligkeit im Detail ausdrucksvolle Böcklin-Büste von Cifariello (Salzburg). 
Zumbusch's wohlgetroffene Marmorbüste des Baurathes Gärtner und T. F. Khuens 
grosse Gipsbüste des Ministers Dr. von Hartel schlossen sich an. Der Münchener 
August Hudler (München) interessirte durch zwei humoristisch chargirte Malerbüsten 
und eine lebensgross ausschreitende Schnitterligur, bei der man freilich nicht an 
Meunier denken durfte. Vom Wiener Nachwuchs ist Jacob Grubers lebensgrosse 
Bronzegruppe „Verschüttete Bergknappen" hervorzuheben, die den Reichel-Preis erhalten 
hat. Ein Greis und ein Jüngling halten sich sitzend umschlungen und erwarten das 
Ende. Die Charakteristik ist gering, persönliche Note und 
auch starkes Temperament fehlen, aber man sieht tüchtige 
Schule und ernstes Arbeiten. Die „Elegie" von Stephan 
Schwartz und eine „Wienerin" von Karl Wolleck sind 
hübsche Reliefs. Die Medaillen von Pawlik und Marschall 
machten sich wieder angenehm. Drei Londoner von Talent 
waren hier neu. W. R. Colton ist ein Plastiker von Einfällen. 
Er lässt zum Beispiel eine hübsche Nixe aus einer Brunnen- 
schale auftauchen, in der die Bewegung des über den Rand 
quellenden Wassers gleich mit in Bronze gebildet ist und 
dem Übersprudelu des wirklichen Wassers zu Hilfe kommt. 
William Rothenstein hatte sehr glatt und flach behandelte 
Porträtrnedaillen (A. Rodin, P. Verlaine) von eigenthümlicher 
Wirkung. Und W. Reynolds-Stephens brachte zierliche 
Kupfersachen und ein Bronzerelief „JugenCW, das wie ein 
verstellbarer und drehbarer Stehspiegel montirt und mit 
c_ R_ haben Gold und Perlmutter gewürzt war. Auch der Brüsseler Paul 
Thßrvgrgigfung m, 59m Dubois zeigte seine sehneidige Kunst. 
 
C. R. Ashbee, Bronzeschale 

	        

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