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Objekt: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 8 und 9)

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Stadterweiterung. Seine Baugeschichte ist von außerordentlicher Mannig- 
faltigkeit in Erweiterungen und Umänderungen. Sie alle hier aufzuzählen, 
würde zu weit führen. Die Entwicklung des vielgliedrigen Baues entspricht 
der ständig steigenden Bedeutung der Stadt. Aus einer ursprünglich engen, 
nur mit einem größeren Raume, der sogenannten „Laube","' versehenen 
Anlage entsteht durch ständiges Ansetzen neuer Teile schließlich der jetzige 
Bau mit seinen Prachträumen. Ihre Erscheinung allein, sprächen sonst auch 
keine andern Zeugen für Lüneburgs Vergangenheit, würde das außergewöhn- 
liche Maß von materieller Macht illustrieren, über welche die Stadt in ihrer 
Glanzzeit verfügte. Nicht die Prachträume allein sind es indes, welche diesem 
Bau ein ganz besonderes Gepräge verleihen, ihn als Monument einer kräftig 
entwickelten bürgerlichen Kultur in eine ganz besondere Stellung unter den 
Anlagen gleichen Zweckes rücken, vielmehr geben eine Reihe beinahe 
unverändert erhaltener, durch keinerlei Restaurierung „verschönter" mittel- 
alterlicher Interieurs ihm einen besonderen Wert. Die Zeiten, da die Stadt 
sozusagen auf dem Nullpunkte ihrer Bedeutung angekommen war, haben 
zwar manches, so den größten Teil der zum Stadtbilde gehörenden Tore 
verschwinden lassen, andrerseits aber glücklicherweise keine als „zeitgemäßtt 
angesehenen Veränderungen heraufbeschworen, wie sie an manch anderem 
"' Während des Winters wurden in diesem Raume, der „Dörnsw (das heißt der heizbaren Stube), die Rats- 
sitzungen abgehalten. Die Erwärmung derselben wurde durch eine Luftheizungsanlage, ähnlich der auf Seite 460 
erwähnten, bewerkstelligt. Die Heizeinrichtung selbst ist zwar nicht mehr vorhanden, wohl aber die kreisrunden 
Löcher im Boden, aus denen die über stark erhitzte Findlingsteine hinstreichende und so erwärmte Luft empor- 
stieg. In welchem Maße die Steine erhitzt wurden, geht daraus hervor, daß sie beim Abbruch: eines alten Hauses, 
noch an der Originslstelle aufgefunden, zerbröckelten. Bekanntlich spielt die Erwärmung großer Feldsteine und 
Steinplatten (Der Peiss !) irn schwedischen und norwegischen Haus eine große Rolle, selbst noch heute. In 
der „Alten Kanzlei", der Körkamrner, dem Fiirstensaale fand die Erwärmung durch offenes Kaminfeuer statt. 
Die eben besprochene Luftheizungseinrichtung gehört also einer älteren Periode an. 
 
Abb. 67. Rathaus zu Lüneburg. Fragment der Wandmalereien im Fürstensaale, im Hintergrund das alte 
Lüneburg
	        

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