MAK

Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 5)

Musik jenes Concertpublicum ist, das zu Hause selber 
gut vierhändig spielt und sogar Kammermusik treibt. 
ILDENDE KUNST UND DEREN 
„ SCHULE." Unter diesem Titel hat Professor 
Franz Matsch in Schrolls Verlag (Wien) ein Schrift- 
chen erscheinen lassen, das eine Art Seitenstiick zu 
Helmers „Lehrjahren der Plastik" bildet. Der schrift- 
liche Ausdruck ist nun freilich nicht seine starke Seite, 
aber auch er spricht aus der eigenen Kunsterfahrung 
heraus und soll darum gehört werden. Seiner Ansicht 
nach befinden wir uns mit der modernen Kunst noch 
„in einem grossen Taumel", aus dem wir heraus 
müssen. Das Mittel dazu wäre eine grössere Viel- 
seitigkeit der Künstler. Der Maler sollte zugleich 
Architekt und Plastiker sein und vice versa, wie häufig 
in alter Zeit. Matsch hat darin vollkommen recht, dass 
dadurch viele Mängel unserer Kunstübung beseitigt 
würden. Er führt auch verschiedene auf. Aber der 
Lehrgang, wie er ihn gleich systemisirt, ist wohl nicht 
so ohneweiters durchzuführen. Wenn es da zum 
Jakob Gruber, Apotheose der Mutterliebe Beispiel heisst, dass der Bildhauer VOHIlittBgS meisseln 
und Nachmittags malen soll, so fürchten wir, dass es 
um die Malerei einer Hand, die ein paar Stunden lang Hammer und Meissel geführt hat, 
schlimm stehen wird. Eine Malhand ist ein heikles Ding, gerade wie eine Clavierhand. In 
der einen Kunst käme also nur ein grober Dilettantismus heraus und der würde nicht aus- 
reichen, um die Nebenkunst auch nur „im Sinne der Verwertung in seinem eigenen Beruf" 
erspriesslich zu betreiben. Die Winterateliers denkt sich der Verfasser dann als „indi- 
viduelle Kunstwerkstätten" mit unbegrenztem Programm, was ja geht, wenn der Meister 
der richtige Befruchter ist. Wenig Aussicht auf Verwirklichung hat jedenfalls der 
Vorschlag, wie man die religiöse Kunst heben könnte; nämlich, dass die Kunstbegabten 
unter den Studierenden der Theologie in religiöser Malerei unterrichtet werden sollen. 
Das würde gewiss schlechte Maler und schlechte Theologen geben, denn jedes dieser 
Fächer braucht einen ganzen Mann. Der Betreffende müsste nur die Theologie als Lebens- 
beruf aufgeben, wie der hochbegabte Cölestin Medovic in Agram, aber wo bliebe dann 
wieder die Wehr gegen Weltlichkeit, wie Professor Matsch sie sich denkt? Und eben so 
wenig werden die Frauen damit einverstanden sein, wenn Matsch sie „vorwiegend für die 
Frauen" arbeiten lassen will, und zwar im Dienste der Damenmode. Viele Damen wollen 
eben durchaus Landschaften und Porträts malen, nicht aber Stoffmuster zeichnen und 
Fächer coloriren; und das wird man ihnen nie abgewöhnen. Lady Butler wird sogar ewig 
Schlachtenmalerin bleiben. 
 
KLEINE NACHRICHTEN so 
PREISAUSSCHREIBEN. Die fürstlich Plessische Centralverwaltung zu Schloss 
Waldenburg in Schlesien versendet zum Zwecke der Erwerbung von Entwürfen für 
die Herstellung einer künstlerisch ausgeführten Denkmünze oder Plaquette aus Anlass 
der Feier der ganzjährigen Benutzung der Heilquelle „Oberbrunnen" zu Bad Salzbrunn 
in Schlesien ein Preisausschreiben. Zur Bewerbung sind Künstler aus Deutschland, 
Österreich-Ungarn und der Schweiz zugelassen. Verlangt wird ein Modell aus ungefärbtem 
Gips, dessen Durchmesser oder längstes Mass zu bis 2x Centimeter nicht überschreiten
	        

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