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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 12)

und ist ganz als Innenraum behandelt, mit parkettirten Böden 
und einer förmlichen Montirung in hellem Eichenholz. Die Stiege 
hat beiderseits Geländer. Das der Wandseite ist lambrisartig flach und 
entsendet die Wand hinan flache 
Doppelständer, in deren Schlitz 
die langblätterigen Bronzeblumen 
für das elektrische Licht empor- 
wachsen. Das innere Geländer 
enthält eine Reihe grosser durch- 
brochen geschnitzter Medaillons, 
deren jedes einen Buschen von 
drei Rosen nebst ihrem Laub in 
beiderseitigem Relief (von Zelezny) 
umfasst. Die hellen Wände haben 
zwischen den Ständern einzelne 
aufpatronirte Rosenbäume, auch 
die Stiegenfenster haben grosse 
Rosen aus Opalescentglas, und es 
ist darauf gerechnet: dass  linear! Villa Friedmann, Gitter eines Kellerfensters 
als Leistenwerk behandelten Ge- 
länder der Treppenabsätze sich perspectivisch als dunkle Silhouetten- 
muster von den hellen Fensterflächen abheben. Im übrigen ist der 
Stiegenraum durch Holzbogen mit feinen Übergangscurven zusammen- 
gefasst. Die anstossenden Corridore haben metallisch-grün gebeizte 
Täfelung, dazu da und dort Abtheilungswände mit farbigen Blei- 
verglasungen, die bei Abendbeleuchtung pikant wirken. Von den 
Corridoren kann man in sämmtliche Zimmer treten, die aber auch 
unter einander verbunden sind. Die drei Thüren, die also auch manche 
kleinere Stube aufweist, stören aber nicht, denn Olbrich hat von den 
landläufigen Werken der „k. k. ausschliesslich privilegirten Fenster- 
und Thürenfabriken" gänzlich Umgang genommen. Seine Thüren sind 
immer von den Tischlem gemacht, denen die anstossenden Schränke 
übertragen waren, also ganz freie Zweckbildungen, die in zierlichen 
Messingscharnieren gehen. Schränke, Thüren und Täfelung einer 
ganzen Wand oder Ecke sind ein Ganzes, als wären sie gleichzeitig in 
dem Raume gewachsen, Producte des lebendigen Organismus, den 
dieses Haus bildet. Ebenso bilden ein Waschtisch mit seiner 
Umgebung, ein Bett mit seinem Nachtkästchen, wobei etwa noch 
das Fussende sich zur besonderen Sitzbank ausbildet, das Canape 
mit seiner Nachbarschaft und dem zugehörigen Wandstück ein 
ungetheiltes Gebilde. Alles ist mitgebaut, hineingebaut, aus dem Bau 

	        

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