MAK

Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 12)

Sichtbarkeit des Predigers. Dabei kostet „Maria vom Siege" per Cubikmeter x6'8o, 
die Breitenfelder Kirche x 3-7 r, die Ottakringer 12 5., Wagners Kirche blos g H. Es 
ist förmlich humoristisch, wennerdaraus berechnet,dass ein denI-Iochaltarsehender 
Besucher bei „Maria vom Siege"48o'67 11., inBreitenfeld 297'518, in Ottakring 21330, 
in Wagners Project aber nur r5o'95 fl. kostet. Wagner hat seine Kirche für 
Währing entworfen und dabei eine allmälige Auflassung des dortigen alten Fried- 
hofes ins Auge gefasst. Wir möchten hier darauf hinweisen, dass auch in anderen 
grossen Städten alte Friedhöfe in der Art, wie Wagner es sich denkt, nach und 
nach in Parks verwandelt werden. Trilft man nicht auf einer FrankfurterPromenade 
den Grabstein der Mutter Goethes? Liegt nicht in einem Hotelgarten Heidelbergs 
ein deutscher Dichter begraben? In Düsseldorf, in Stockholm u. s. f. sahen wir 
solche reizende Spazierfriedhöfe mit Grabmälern. Wagner denkt sich axial ange- 
ordnet eine Rundkirche mit Kuppel, dahinter einen viereckigen Glockenthurm mit 
5 Glocken und noch weiter zurück den Pfarrhof, dem sich im Halbkreise pergola- 
artige Flügel mit Denkmälern anschliessen. Die Kirche ist bis zur Kreuzspitze 
50 Meter, der Thurm 75 Meter hoch. Das Wort Gasometer, mit dem man seine 
kreisrunde Kuppelkirche vergleichen könnte, schreckt ihn nicht; er verweist auf 
das Pantheon. In der That sind die Gasometer solchen Kuppelräumen nachge- 
macht, nicht umgekehrt. Bei der Kreisform erreicht er auch billiger eine grössere 
Festigkeit und andererseits gestatten ihm die modernen Eisenconstructionen (Mo- 
nierfachwerk u. s. f.), die Räume ohne weitere Stützen und Vorlagen beliebig zu 
decken. Dabei gewinnt auch das Sehen und Hören, zumal er auch den Hochaltar 
mehr gegen den Raum verschiebt und alles Hinderliche, wie Eingänge, Seiten- 
altäre, Beichtstühle in die vier ganz kurzen Kreuzarme verweist. Im Thurme, der 
oben durch eine Brücke mit der Zwischenkuppel verbunden ist, bringt er auch 
den Orgelchor unter. Das Licht erhält der Raum durch sieben grosse Fenster 
mit opalescentem Glasmosaik; sie sind durch einen Fries verbunden. Die Eisen- 
construction der Decke bleibt natürlich sichtbar, indem sie, entsprechend ge- 
schmückt, strahlenförmig von einem in der Mitte schwebenden Kreuz ausgeht. 
Der ganze obere Raum ist in weissem Stuck gehalten, mit aufgetragenem und 
goldgehöhtem Ornament; unten folgt Stuckmarmor und ein Marmorsockel nebst 
Möglichkeiten für Seidenbehang von beliebiger Pracht. Aussen ist Alles weisser 
Putz, die Abdeckungen und Zierdetails (Alles im Wagnefschen Stil) Kupfer, die 
Vordächer Kupferwellenblech; auch dies bedeutet eine grosse Ersparnis an Aus- 
besserungskosten. Im übrigen verweisen wir auf die beigefügten Abbildungen, 
aus denen auch hervorgeht, dass Wagner eine interessante moderne Baugruppe 
geschaffen hat, die sich in ein modernes Stadtbild völlig organisch einfügt. Es ist 
in der That dringend zu wünschen, dass dieser schöne Versuch Leben gewinne 
und damit das nothwendige Beispiel gegeben sei, an dem dann das Weitere zu 
lernen wäre. Auf die Dauer ist ja solche Erneuerung nicht mehr abzuweisen. 
USSTELLUNG DER SECESSION. Diesmal ist es zur Abwechslung 
eine „graphische" Ausstellung. Graphisch ist dem Wiener ein etwas 
trockenes Wort, aber die Ordner wussten es mit ihrem bekannten Temperament 
auszulegen, so dass schliesslich Alles darin vorkommt, mit Ausnahme von Öl- 
sachen, die hier als Fettwaren wirken würden. Das genügt bereits, um die Aus- 
stellung besonders hell und luftig zu machen, ihr etwas Flügges zu verleihen. Und 
danach ist auch die Ausstattung. lhr Urheber ist Prof. Joseph Hoffmann, doch ist
	        

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