MAK

Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 11)

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vor dem Verfalle geschützt und ausgebessert, und die unvollendet 
gebliebenen mit immer tieferem Eingehen in den Geist ihrer Urheber 
ergänzt und vollendet. Eine Reihe sorgfältiger Renovirungsarbeiten, 
der Ausbau der Dome zu Köln, Regensburg, Ulm 
joseph Hoffmann. 
Papiermesser in 
H olz intarsia 
und an anderen Orten sind Beispiele 
dieser Thätigkeit. 
So entwickelte sich naturgemäss 
die „stilgerechte Renovirung" alter 
Baudenkmale zu einem künstlerischen 
Problem. Und doch wird man fragen 
dürfen, ob diese Methode des Ergän- 
zens und Fertigstellens in derBaukunst 
eine Berechtigung hat, da ihr diese 
Berechtigung in den anderen Künsten 
gewiss nicht in gleichem Masse zu- 
kommt. Niemand denkt heute daran, 
der Venus von Milo die fehlenden 
Arme zu ergänzen oder etwa Makarts 
unvollendet gebliebenes letztes Werk, 
seinen „Frühling" fertig zu malen; 
und die Versuche, Fragmente von 
Dichterwerken, z. B. den „Dernetrius" 
von Schiller zu vollenden, sind alle 
mehr oder minder gescheitert. 
Ich glaube, dass der Grund, warum 
die nachträgliche Ergänzung durch 
fremde Hand in der Baukunst mehr 
Berechtigung als in anderen Künsten 
hat, in der praktischen Verwendbar- 
keit ihrer Werke zu suchen ist. So 
lange ein Bauwerk noch lebendigen 
Zwecken dient, bleibt es mit dem 
Leben der Gegenwart verflochten, 
trotzdem es in einer früheren Cultur- 
epoche entstanden ist. Und wie sich 
seine Erhaltung und Pflege schon aus 
rein praktischen Gründen ergibt, kann 
seine Renovirung und Fertigstellung 
zur Erzielung einer monumentalen 
Einheit im Interesse seiner Würde 
und inneren Bedeutung liegen. 
Joseph Hoffmann, 
Pnpiermesser in 
Holzintarsia
	        

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