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Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 11)

In Einsamkeit ist der Knabe aufgewachsen. Man nahm ihn aus 
der ländlichen Heimat mit in die grosse Stadt. Dort blieb er verlassen 
in der zartesten Kindheit von den Verwandten, die zur Arbeit gingen, 
Giovanni Segantini, Die Wollüstige 
 
allein in einer Mansarde, vom Fenster die grosse Stadt, die vielen 
riesigen Häuser und ganz unten die winzigen Menschen betrachtend. 
Dies war eine traurige Kindheit und von der Stimmung jener Tage 
berichtet der folgende Ausspruch: „Ob es regnete oder schön war, 
meine Seele war traurig und resignirt. Noch wusste ich nicht, ob 
solches eintönige Dasein in alle Ewigkeit fortdauern sollte . . . . Und 
meine Gedanken? Ich glaube, ich hatte keine; meine Gefühle aber 
waren intensiv. Schon litt ich, noch ohne recht zu wissen, was 
Schmerz sei." 
Einmal kam ein Maler ins Haus, da erlebte das fünfjährige Kind 
die grosse Überraschung, dass ein Farbentopf und ein borstiger 
Pinsel den Aspect aller Dinge verändern kann. 
In die Verlassenheit des Knaben aber dämmert noch die 
Erinnerung an eine ganz frühe Kindheit, verlebt in Weinbergen, in 
freier Luft, in der Sonne. Und an einem Morgen nimmt er, sieben- 
jährig, Reissaus, und wandert weg, weit weg aus der grossen Stadt. 
Durch Felder und Wälder geht der Weg, bis die Nacht dem Sieben- 
jährigen Schlaf bringt. Am Morgen finden den Buben Bauern und 
sie machen ihn zum Hirten ihrer Schweine. Nun darf er in den
	        
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