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Objekt: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 1)

279. 
die auserlesenen bosnischen Arbeiten, welche sich auf der landwirthschaft- 
lichen Ausstellung gerechten Beifalls erfreuten, sind wiederum vertreten. 
. Und so vieles Andere. 
Es war nicht unsere Absicht, aufzuzählen noch zu kritisiren, viel- 
mehr nur in Kurzem auf die Besonderheit dieser Weihnachts-Ausstellung 
aufmerksam zu machen als die erste, welche unter der Leitung des 
Wiener Kunstgewerbe-Vereines entstanden ist. Er hat damit auf's Neue 
seine Existenz in rührnlicher Weise bethätigt. J. v. F. 
Galizische Thongefäße. 
Durch die Güte des Herrn Wladyslaw von Fedorowicz ist das 
Oesterr. Museum in den Besitz einer größeren Anzahl von Thonwaaren, 
Schüsseln und Näpfen, aus Galizien gelangt, die, eigenthümlich und sehr 
ansprechend in der Decoration, zugleich für die Geschichte des Orna- 
ments von besonderem Werthe sind. 
Es ist wohl keine Ketzerei, auszusprechen, dass die Geschichte des 
Otnaments sich noch in den Anfängen befindet. S0 lange man die Ver- 
zierung eines Gegenstandes wesentlich nur in ihrer Eigenschaft als Com- 
bination von Linien, geometrischen oder der Natur entlehnten Formen 
betrachtete, ohne oder fast ohne Rücksicht auf die Bedingungen des 
Stoffes und der Gestaltungsart, stand die Forschung auf unsicherem 
Boden und war immer in Gefahr, zu stilistischen und geschichtlichen 
Trugschlüssen verleitet zu werden. Je mehr aber in neuerer Zeit die 
Vergleichung von primitiven Arbeiten aus den verschiedensten Zeiten 
und Ländern ermöglicht, und dabei die Natur der verwendeten Mate- 
rialien und die_von diesen vorgeschriebene Technik in Betracht gezogen 
worden ist, um so vorsichtiger werden wir, gewisse Ornamentformen 
lediglich als Erzeugnisse der Phantasie und des natürlichen Stilgefühls 
des - oder sagen wir: eines Künstlers anzusehen, oder eines bestimmten 
Volksstammes. Selbstverständlich kann nicht die Uebertragung von Volk 
zu Volk überall geleugnet werden, wo sie sich nicht bestimmt nachweisen 
lässt. Wenn beispielsweise behauptet wird, die byzantinische Weise, in 
der Miniaturmalerei für die höchsten Lichter auch die Goldschraffirung 
zu benutzen, sei nachher selbständig von abendländischen Künstlern er- 
funden worden, so hat das, da es sich um ein Willkürliches Verfahren 
handelt und der byzantinischen Kunst doch die Rolle einer Lehrmeisterin 
der abendländischen nicht ohne Weiteres abgestritten werden kann, wenig 
Wahrscheinlichkeit für sich. 
Anderseits können offenbar dieselben technischen Bedingungen das- 
selbe Ornament aus ganz verschiedenen, nach Nationalität und Zeit weit 
von einander entfernten Händen hervorgehen lassen. Am meisten leuchtet 
dies bei Weberei und Stickerei ein, wo die Gestaltung der Ornamente 
l.
	        

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