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Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 7)

angenehm zu Sehendes. Von Sargent ein äusserst lebendiges Kinderporträt, The Hon. 
Victoria Stanley, von Shannon das Porträt seiner Frau und der Mrs. Temperley, dann von 
dem Präsidenten der schottischen Akademie, Sir George Reid, zwei markige Männer- 
bildnisse, Mac Leod of Mac Leod und Professor Fairham. 
Eine gefährliche Gegenüberstellung ist den zeitgenössischen Bildern und namentlich 
den Porträts der lebenden Maler die in diesem Frühjahre in den Graüon Galleries 
veranstaltete Ausstellung von Werken George Romneys. Was hier an liebenswürdiger 
Behandlung des menschlichen Bildnisses zu sehen ist, thut viel, um die besten Leistungen 
unserer Zeit in den Schatten zu stellen. Es ist eine wahre Freude, in dieser Versammlung 
vornehm anmuthiger Familienbilder zu weilen, und wenn auch die milde Patina und der 
Reiz vergangener Zeit das ihrige beitragen mögen, eine ähnliche Stimmung ist wohl 
keine Vereinigung moderner Bilder hervorzubringen imstande. Auch diese Ausstellung 
hat ihren Glanzpunkt in dem entzückenden Bildnisse der Penelope, zweiten Frau des 
Lee Acton, Eigenthum der Lady De Sanmarez. Dieses Gemälde, welches allgemein 
als das schönste Werk Romneys bezeichnet wird, ist eine Revelation zu nennen, da es 
bis vor kurzem in einem Landsitze in Sulfolk verborgen war und auch seit seiner Übertragung 
nach London wenig gesehen wurde. Neben diesem sind noch manche andere hervorragende 
Porträts des Meisters ausgestellt. Mrs. Townley Ward, der fünfte Herzog von Marlborough, 
Mrs. Carwardine, Susannah, erste Frau des Lee Acton, Lady Milnes, die Marchioness of 
Townshend, endlich wie natürlich eine Reihe von Studien nach der bekannten Lady 
Hamilton, welche Romneys Leidenschaft und Unstern gewesen ist. Leider wird das grosse 
Verdienst der Leitung der Grafton Galleries um die Veranstaltung dieser Ausstellung durch 
die Aufnahme zahlreicher Bilder geschmälert, welche theils oEenbar nicht von Romney 
sind, theils diesen Künstler auf das schlechteste repräsentiren. Wie so oft wäre auch hier 
weniger mehr und besser gewesen. 
Welche Wertschätzung Romney gegenwärtig geniesst, beweist übrigens der Preis, 
welchen eben jetzt sein Bildnis der Miss Charlotte Peirse, späteren Mrs. Thomas of Rutton 
in Sussex bei Christies erzielte. Dasselbe wurde von Mr. Martin Colnaghi um 7000 Guineen 
erstanden, die höchste Summe, welche für ein Einzelporträt Romneys in öFfentlicher 
Versteigerung bisher gezahlt wurde. 
Eine kleine auserleseneSammlung alter Bilder haben wie alljährlich Messrs. P, äD. Col- 
naghi in ihrem Salon in Pall Mall East vereinigt. Neben einigen guten Niederländern 
enthält sie ein wunderbares Porträt der Mrs. Renny Strachan of Seaton and Tarrie von 
Raeburn, aus der besten Zeit des Künstlers und von tadelloser Frische der Erhaltung. 
Auf dem Gebiete des Kunsthandels war das Ereignis dieses Jahres der Verkauf der 
Peel Heirloorns, eines Theiles der von Sir Robert Peel gesammelten Kunstschätze, welche 
nach vielen Schwierigkeiten im Mai in Willis' Rooms versteigert wurden. Die Hauptstücke 
waren die beiden lebensgrossen Porträts eines Genueser Senators und seiner Frau von 
Van Dyck. Sie wurden von David Wilkie für Sir Robert Peel in einem der Paläste Spinola 
entdeckt und erworben, sind aus Van Dycks früherer Zeit, und wie es scheint, sehr gut 
erhalten. Die Dargestellten sind ein sehr alter Mann in schwarzer Seidentracht und eine 
gleichfalls bejahrte Frau in schwarzer Robe, weisser Krause, einen Fächer in der Hand 
haltend. Die beiden Bilder wurden um i. 24.250 angekauh, ohne dass der Käufer bisher 
allgemein bekannt wurde. Das nächste Gebot soll von Colnaghi für die deutsche Regierung 
gemacht worden sein. Unter den übrigen Gemälden war ein sehr anmuthiges Frauenbild, 
irrthümlich als Marie Antoinette von Greuze bezeichnet, das trotz seiner Anonymität um 
x35o Guineen kaum zu theuer gezahlt schien. Den verhältnismässig hohen Preis von 
1200 Guineen erzielte in der Falbeschen Versteigerung „die Wahrsagerin" von Opie, 
obwohl Bild und Künstler kaum in die erste Reihe früher englischer Kunstleistung zu stellen 
sind. Ganz ausserordentlich hohe Summen wurden für einige allerdings reizende englische 
Miniaturen vom Ende des XVIII. Jahrhunderts gezahlt, welche bei Christies zum Ver- 
kaufe gelangten. Vier weibliche Bildnisse aus der Familie des Sir Charles Rushout von
	        

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