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Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 9)

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mächtiger erscheinen. Dabei hat man den Eindruck voller Ehrlichkeit und 
Geradheit vom Dargestellten wie vom Künstler selbst. Der Zug von Grösse 
und Monumentalität, der schon in der „Sommerzeit" sich meldet, tritt in 
der Folge immer mehr zutage. 
  ,  , V , Kalckreuth selbst nennt es das 
 Pathetische. Das Zufällige ver- 
i schwindet, die Schlichtheit und 
Klarheit bleibt, die Kraft des 
Ausdruckes wächst. Ein anderer 
Künstler malt die Grossmutter 
mit dem Kinderwagen, Kalckreuth 
1 die „Fahrt ins Leben". Wie oft 
stehen derartige „philosophisch? 
Titel unter Bildern, die nichts 
1 weiter sind als die gewöhnlich- 
- sten Genrebilder, die man 
einmal ansieht und dann nicht 
wieder. Hier ist der Titel ernst 
gemeint und vollauf gerecht- 
' fertigt. Wie fest schläft das Kind, 
wie bedachtsam zieht die alte 
gebückte Grossmutter, an ihrem 
Krückstock dahinschreitend, den 
Wagen vorwärts. Und doch ist 
weit mehr in dem Bilde, als ein 
gemüthliches Stückchen Leben, 
V __ das einer mit scharfem Photo- 
Lryi V  I" i ' im  graphenauge gesehen hat. Des 
Leopold Graf Kalckreuth, Strickendea Mädchen (Zeichnung-r Künstlers Auge hebt das Genre- 
bildliche zum Monumentalen, 
zum Typischen und Bedeutenden. Er thut das Gleiche wie Constantin 
Meunier, aber durchaus mit den Mitteln seiner Kunst: 
Als Maler steht er auf dem Boden des modernen Bekenntnisses, aber 
die Freilichtmalerei ist in seinen Werken gereift und geklärt; er „benutzt die 
Errungenschaften jener Zeit zu koloristischen Harmonien, die nicht allein der 
Wirklichkeit nachgebildet, sondern auch dem Auge wohlthätig und dem 
geistigen Inhalte des Werkes zur Steigerung dienen. Hier ist die Farbe nicht 
mehr die gleichgiltige Zuthat, die nur die eine Qualität aufweist, dass sie 
einer gleichgiltigen Wirklichkeit entspricht, sondern sie steigert sich zur 
Symbolik, die dem Werke eine Unmittelbarkeit des Eindruckes gibt, wie sie 
nur noch ein Analogon an der Musik hat." 
Als weiteres Beispiel für diese Seite von Kalckreuths Kunst mag die 
„Alte Frau" dienen, die er in der Dämmerung unter Bäumen sitzend 
dargestellt hat. „Das Alter" (zwei alte Frauen, die die Gänse hüten, Dresdener 

	        

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