MAK

Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 9)

welche auf einer Wiese zwischen verkrüppelten Kopfweiden den 
Reigen tanzen. Das Bild ist für die moderne Weise ungemein charak- 
teristisch. Der moderne Realist will jedem hergebrachten Schönheitsideal 
soweit als möglich aus 
dem Wege gehen. Des- 
halb die reizlose Compo- 
sition der Landschaft und 
diese öden verkrüppelten 
Weidenbäume, wie sie in 
der Kunst sonst nur als 
Symbol einer melancho- 
lischen Stimmung platz- 
finden." Diese Worte 
eines kühlen Kunst- 
beobachters offenbaren 
nur geringes Verständnis , . . 
für das Kunstempfinden 
Kalckreuths, indem sie 
auf einen feindlichenWil- 5 
len zurückführen, was 1 
ebeninderkünstlerischen a 
Empfindung lag. 
Auf die blosse Abkehr 
von dem herrschenden ; 
Kunstideal, also etwas 
Negatives, kann man 1 
keine neue Kunst grün- 
den. Kalckreuth malte . 
eben diese (scheinbar) i 
reizlose Landschaft - 
einMotiv aus der Gegend 1 
von Weimar - mit den 
angeblich öden und ver- 
krüppelten Weiden- 
bäumen, weil sie seinem 
künstlerischen Empfinden entsprach, weil sie ihm schön erschien. Und er 
malte später aus demselben Grunde die schlesischen Landleute. Unzweifelhaft 
richtig ist, dass Kalckreuths Art sich ganz entschieden von der Dorfpoesie 
nach der Art Vautiers und Defreggers unterscheidet. Das liegt einestheils 
an seiner Kunstauffassung, anderntheils aber auch am Menschenschlage. 
Im schlesischen Flachlande sind Natur und Mensch noch eins, Armut ist 
ihr Los, und die frühe harte Arbeit macht sie früh alt. Sehnige Kraft 
kann man ihnen wohl nachrühmen, aber Schönheit nicht. Indes was heisst 
schön? Als einst jemand den alten Israels fragte, ob er nie schöne Frauen 
Leopold Graf Kalckreuth, „Kann nicht mehr mit"
	        

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