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Volltext: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 10)

Vaux-le-Vicornte, dem für den Surintendanten Nicolas Foucquet erbauten, in 
Bezug auf die Palastarchitektur epochemachend gewordenen Meisterwerke 
Levaus zugrunde. Durch die Kupferstiche Israel Silvestres und Nicolas Perelles 
war dasselbe den Architekten längst, wenn auch nur oberflächlich bekannt. ' 
Es gibt meines Wissens in Wien nur ein Gebäude, und zwar einen Monu- 
mentalbau ersten Ranges, an welchem „jeder Bautheil sein Dach für sich 
hat und hinsichtlich der Durchbildung der Umrisslinie die Franzosen noch 
überboten erscheinen".' Überboten wurden sie vom Palais Harrach 
durchaus nicht, wie etwa vom Belvedere; dass man sie aber als Muster sich 
vor Augen hielt, ist zweifellos. 
Für das Portal, wie es in den vorliegenden Abbildungen erscheint, 
wären die Vorbilder möglicherweise wieder in Genua zu suchenß 
Eingetreten, kommen wir in eine runde Einfahrt, ähnlich jener im Palais 
Lobkowitz in Prag," aus dieser zur Linken in das Vestibule und weiter 
fortschreitend in das Treppenhaus, angelegt in französischerWeise,erfunden 
bekanntlich von der Marquise von Rambouillet zur Vermeidung des 
Zerschneidens der einer hocharistokratischen Hofhaltung schlechterdings 
unentbehrlichen Gernächerflucht des ersten Stockwerkesß nicht in der 
Mitte, sondern an dem einen Ende des Gebäudes und zum Theile in dem 
Zubau, wie er auf der Abbildung von Delsenbach, die wir reproduciren, 
zur Linken sichtbar ist. Auf diese seine Galastiege thut sich Graf 
Ferdinand Bonaventura nicht wenig zugute. Er findet sie weitaus zweck- 
entsprechender und monumentaler als die ähnlichen Escaliers d'honneur 
im Palaste des Herzogs von Infantado zu Madrid und in den Tuilerien zu 
Paris, verglichen mit dieser „weütter und nit so gach",6 mit jener „schöner 
und galanter"! Ob die Treppe des Belvedere „völlig deutsch" ist, wie Gurlitt 
Wort haben will, so deutsch, wie das ganze Innere des Eugen'schen 
Lustschlosses, „dessen Ausstattung der Lieutenant Le Fort du Plessy 
geleitetß! wagen wir nach alledem nicht zu entscheiden. Constatiren aber 
wollen wir die eine Thatsache, dass die Galastiege im Harrach-Palais, von 
ihrer Lage am Ende des Gebäudes ganz abgesehen, in Hinsicht auf Dis- 
position im grossen und ganzen mit jener im Belvedere eine nicht wegzu- 
leugnende Ähnlichkeit besitzt. 
Eine Specialität des Harrach-Palastes ist bekanntlich jenes gegen die 
Herrengasse zu gelegene und mit einer von vergitterten Rundfenstem 
durchbrochenen Mauer abgeschlossene Gärtchen, der letzte Rest jener Garten- 
anlagen, welche, seinerzeit bei jedem Hause vorhanden, der Stadt so sehr zur 
1 Siebe über Vaux-le-Vicorme: Pfnorr, R. ü France, A. Le Chateau Vaux-le-Vicomte. Paris, 
Quantin 1888. gr. Fol. Die angeführten Stiche sind darin reproducin. 
2 Gurlitt, Geschichte des Barockszils, II. z, Seite 232. 
Siehe zum Beispiel Rubens, Palazzi die Genova, Tafel 51. 
Siehe die Abbildung davon bei Dohme. Barock- und Romano-Architektur. 
Vgl. Gllfliil, a. a. 0., 11., 1., Seite 7.,. 
Tagebuch, Paris, 3. November 1698. 
Ibid. Madrid, 4. September 1697. 
3 Siehe Gurlitt, a. a. 0., lI., 2., Seite 23a. 
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