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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 1)

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beabsichtigt. Wer nicht in Guimiliau und 
Saint-Theogonnec gewesen ist, kann diese 
originellen Gebilde in Robidas „Vieille 
France" lithographirt sehen. Den Balzace 
Kopf zu loben, ist eigentlich überflüssig. 
Es ist eine so riesenhafte Charakteristik 
darin, eine so elementare Kraft des 
Durehschauens und Umfassens, und eine 
so souveräne moralische Autorität, dass 
man Genieluft spürt. Übrigens ist die 
ganze Figur wie mit der Empfindung der 
Otto Eckmann, Buchschmuck 
altegyptischen Plastiker empfunden. Als ein Koloss aus Rosengranit oder Syenit, mit 
der summarischen Liniengrösse jener Pharaonen gegeben, wie Rodin es ja gemeint 
hat, müsste die Balzac-Statue einen gewaltigen Eindruck machen. Das heutige Paris 
fühlt das noch nicht. Auch die Eva ist noch nicht zeitgemäss. Man hat sie als Popanz 
empfunden und lächerlich gemacht. Sie ist aber tragisch. Tragisches Fleisch, tragische 
Anatomie, wenn man uns gestatten will, unser an anderer Stelle gebrauchtes Wort zu 
citiren. Wir wüssten das Wesen dieser Urmutter nicht besser zu kennzeichnen, die unter 
der Last des Urschicksals moralisch in sich zusammenknickt, dabei aber physisch die 
unverwüstliche Titanin bleibt, voll natürlicher Triebkraft und voll Zukunft. Und solche 
Anatomie ist auch jene nackte sitzende Greisin, die von Baudelaire besungene Heaulmiere 
des Luxembourg. Die ergreifende Ruine eines Weibes, ein Haufen sogenannter hässlicher 
Details, die an sich in hohem Grade ornamental sind und die Beobachtung des Künstlers 
durch tausend Überraschungen lohnen. Wie muss er sich daran erquickt haben, nach all 
denjugendlichen Modellen; bei ihm zieht das Weib eine Schönheit aus und eine andere an, 
bis an das Ende. Ein Marmorwerk Rodins, „der Mond sich von der Erde lösend", ist ein 
feines Beispiel seiner Art, mitten aus dem rohen Block zierliche Figuren von bedeutsamer 
Geberde hervorblühen zu lassen. Einer seiner vielen Versuche, dem Marmor frei 
schwebende Gestalten abzugewinnen. Seine Bronzegruppe „La guerre" ist voll wilder 
Kraft, die schreitende Bellona eine natürliche Tochter von Rudes Marseillaise. Ein 
Walkürenkopf, die kleine Büste eines weinenden Mädchens, eine kniende Faunin, 
verschiedene kleine Gipse mit besonderen Bewegungsmotiven und eine Reihe Aquarell- 
blätter des nämlichen Charakters vervollständigen die Sendung Rodins. 
Für Klinger hat Roller ein eigenes Gemach mit polygoner Nische gebaut, wo in die 
weissen Wände 14 decorative Ölbilder, wie in ein fortlaufendes Passepartout, gleichsam 
hineingesteckt sind. Ein origineller Teppich Rollers, mit farbigen Filzstücken beklebt, 
deckt den Boden. Die Bilder sind Landschaften, mit denen einst ein Stiegenhaus geschmückt 
war; hoch aufgebaute von interessantem Linienzug und dann wieder weite Meeres- 
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